Fort! Schon rauschte die Limousine des Generals heran.

In einem Tempo, als habe er auch nicht eine Sekunde Zeit zu versäumen, eilte Otto der Friedrichstadt zu.

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Kälte schlug dem General entgegen, als er seine Wohnung betrat. Er bewohnte das Parterre eines einstöckigen grauen Hauses an der Tiergartenstraße, dicht am Kemperplatz, nicht weit von Doras Backsteinvilla entfernt. Kälte und Stille — die Wohnung war erfüllt von Winter, von Tod.

Die Generalin war einige Jahre vor dem Krieg in Davos gestorben, nachdem . . . Die Ehe des Generals war in den späteren Jahren nicht glücklich gewesen, übrigens hatte die Generalin nie diese Wohnung in der Tiergartenstraße betreten, damals — wieviel Jahre sind es her! — wohnten sie in der Margaretenstraße.

Auch sein Sohn Kurt, der älteste — er war nicht mehr. Gefallen an der Somme.

Ein eigentümlicher Hauch strich durch die Wohnung — und augenblicklich versteinte das Gesicht des Generals wieder. Den Rest des Familienlebens hatte der Krieg vernichtet. Ruth und Otto gingen ihre eigenen Wege. Ruth arbeitete zurzeit in ihrer Küche, früher in einem Lazarett, und Otto, wenn er einmal auf Urlaub in Berlin war, war selten zu sehen — ein Leichtfuß . . . Es gibt in dieser Hinsicht keine Kompromisse: entweder lebt eine Familie glücklich, oder sie zerfällt.

Die Burschen rasselten in der Diele in die Höhe. Auch die Ordonnanz rasselte. Sie brachte die Mappe mit den Akten, die am Abend bearbeitet werden mußten. Nur Soldaten lebten im Hause des Generals — und eine Wirtschafterin, Therese, die irgendwo hinten in den Zimmern hauste, und die man nie sah. Soldaten gingen ein und aus, solange der General lebte. Sein Vater war als Oberst gestorben. Es rasselte von Waffen, und sie brachten den Geruch aus den Kasernen mit.

Der General ließ den Pelzmantel einfach fallen, irgend jemand stand schon da und fing ihn auf.

Ja, Kälte — trotzdem die Wohnung gut geheizt war. Durch einen dunkeln Spiegel sah er sein steinernes Gesicht gleiten. Alle Lampen schienen falsch oder ungeschickt angebracht. Anstatt Licht und Freundlichkeit zu verbreiten — wie warm war es doch bei Dora! — verbreiteten sie feindselige Grelle und haßerfüllte, pechschwarze Schatten. Dunkle Täfelungen, schwere Barockmöbel, Gold — die Parkettböden schrien, wenn man sie betrat, es war ein altes Haus.