In seinem Arbeitszimmer fiel der Frost von ihm. Hier allein war er zu Hause. Er atmete auf, seine Haltung wurde um etwas lässiger.
Mit raschen Schritten näherte er sich einem Vogelbauer, in dem ein kleiner gelber Kanarienvogel hauste.
„Nun, Niki — Niki!“ Er steckte den Finger durch die Stäbe — er sprach mit dem Vogel genau so, wie er früher mit seinen Kindern gesprochen hatte, mit veränderter, komischer Stimme — als sie noch ganz klein waren, klein, lieblich und voller Vertrauen.
„Aber das Apfelschnitzchen — es ist ja heruntergefallen, nun wollen wir aber das Apfelschnitzchen — und das Wasserchen, wieder alles verspritzt — du Schlingelchen —“
Der Vogel piepte und sprang erregt von Stäbchen zu Stäbchen.
„Ja, siehst du — das Herrchen —“
Es klopfte. Eine laute Stimme rief: „Es ist serviert, Herr General!“ Das war Jakob, der Ulan, Bursche und Kammerzofe des Generals. Es gab auch noch einen Wangel, der aber war mehr für den Dienst außerhalb des Hauses. Die Uhren schlugen. Es war acht.
Punkt acht — Punkt, immer Punkt! Der General war für peinlichste Pünktlichkeit. Zuweilen, erschöpft vom Dienst, legte er sich zur Ruhe — zehn Minuten, zwanzig Minuten — mit der Sekunde mußte er geweckt werden. Die Burschen konnten den ganzen Tag faulenzen oder mit Köchinnen klatschen, aber ihre Uhren mußten genau gerichtet sein. Punkt ein halb acht Uhr morgens erhob sich der General, Punkt ein viertel nach acht nahm er sein Frühstück, Punkt ein Uhr fuhr er zum Mittagessen (er aß in der Stadt), Punkt acht Uhr erschien er zum Abendessen. Auch im Felde hatte er die gleiche Einteilung des Tages eingehalten und wenn die Welt unterging. Zuweilen ging sie auch unter, aber den Tagesplan des Generals vermochte sie nicht zu verrücken.
Zeit, Zeit — jede Minute war kostbar — der Dienst —
Nun gut . . . Punkt acht Uhr begab sich der General ins Speisezimmer.