Hauptmann Wunderlich lehnt sich mit dem Rücken gegen die Hauswand, auf seine beiden Krückstöcke gestützt. Der Rest von Farbe weicht aus seinem zuckenden Gesicht, er stammelt. Verwegen aussehende Matrosen umstehen ihn.

Schüsse knallen in nächster Nähe. Mit schwerem Klatschen stürzt ein Körper zu Boden.

„Schon gut, wir sehen ja! Aber Sie könnten doch Unannehmlichkeiten haben, Herr Hauptmann!“

Und ein Matrose schneidet Hauptmann Wunderlich mit einem langen Messer die Achselstücke ab.

Dies geschah Ecke Linden und Wilhelmstraße.

Die Wilhelmstraße lag, wie immer, ruhig. Ruhig und unbeteiligt vor dem Kriege, ruhig und unbeteiligt während des Krieges und auch jetzt — ganz still!

Nur zuweilen öffnete sich eine Türe, vorsichtig, vorsichtig, ein Kopf spähte — und dann eilte jemand mit einer Mappe unter dem Arm rasch die Wilhelmstraße hinab. Gamaschen, Lackschuhe, die Monokel waren in den Westentaschen verschwunden. Manche gingen so rasch, daß sie über die eigenen Füße stolperten. Auch einige Seidenhüte glitten rasch aus den Toren, pomadisierte Scheitel, bis in den Nacken durchgezogen. Ein hagerer Elegant stelzte eilig über die Straße, Perücke, mikroskopisches Schnurrbärtchen unter der Hakennase, ganz kurzes Überzieherchen, er schlenkerte höchst eigentümlich mit dem rechten Knie: vor dem Kriege Botschafter . . .

Auch der Geheime Rat Westphal eilte mit seiner Mappe aus einer Türspalte. Er wagte es nicht einmal, einen Blick in die Richtung der Linden zu werfen. Sein dünner Chinesenbart wehte. Schon war er um die Ecke verschwunden.

Hinter ihm her eilte Professor Salomon — mit dem Kürbiskopf und den abstehenden Ohren. Er hatte den steifen Hut tief über die Glatze gezogen und den Mantelkragen hinaufgestülpt. Er pfiff vor sich hin, tat unbekümmert. Aber fortgesetzt drehte er sich um, dann wagte er sogar ein paar Sprünge . . .

„Kommen Sie, Herr Geheimrat —“