„In den Kanal, hahaha!“
„Sie lachen? Ja, über die Brücke, aber ich konnte mich an einem Kahn festhalten — so saß ich im Wasser, bis sie fort waren. Und gestern, da haben sie mich wieder erkannt, andere, die Stadt wimmelt von ihnen, und verfolgt — durch ganz Berlin. Ich bin gelaufen, schrecklich, um mein Leben bin ich gelaufen. Ich flehe Sie an, auf den Knien. Helfen Sie mir.“
„Ihnen? Hahaha! Die Zeiten haben sich geändert. Die Gerechtigkeit ist wieder in die Welt gekommen. Ein jeder nach seinen Verdiensten.“
„Ach, auch Sie hartherzig! Und ich hoffte, Hoffnung erfüllte mich, als ich Sie sah. Ich habe keine Wohnung, kann nirgends bleiben. Ach, Sie ahnen es ja nicht! Wissen Sie, wo ich schon in diesen Nächten geschlafen habe?“
Kunze zerrte Herrn Herbst in ein Haustor und flüsterte.
„Ist es zu glauben, daß ein Mensch da schläft? Eine barmherzige, alte Frau. Erst morgens konnte ich wieder heraus. Gewöhnlich schlafe ich zwischen Bretterhaufen, klettere über Zäune. Dann kommen plötzlich Hunde — entsetzlich!“ Wieder glitt Kunzes Blick furchtsam über die beiden Soldaten, die hinter dem kleinen Herrn Herbst aufgetaucht waren und ihm überallhin folgten.
„Schlimm, sehr schlimm!“ sagte Herr Herbst mit einem spöttischen Zwinkern der kleinen entzündeten Augen. „Und ihn? Haben Sie ihn schon gesehen?“
„Ihn? Wen?“
„Nun ihn, den ihr vom Dache — da, am Anhalter Bahnhof —?“
„Wie? Wie? Was —?“