Kunze preßte den Kneifer auf die Nase, lüpfte den grünen Plüschhut, und schnell, schnell verschwand sein dünner Überzieher in der Menge.
Schon schwang Herr Herbst wieder den steifen, verschwitzten Hut und schrie, rot vor Erregung: „Hoch! Hoch! — Nieder! Nieder!“
Schon waren er und seine zwei Trabanten wieder mit dem endlosen Zuge verschmolzen, der sich breit durch die Straße wälzte.
„Hoch! Hoch! — Nieder! Nieder!“ schrien seine Trabanten. Tag für Tag trotteten sie schwitzend und aufgeregt durch die Straßen. Jedem Zug, einerlei welcher politischen Partei, schlossen sie sich an.
Seine beiden Trabanten waren: ein kleiner, stämmiger, etwas ausgewachsener Infanterist, eine Grabentype mit weitem Mantel, Transportarbeiter von Beruf, der einen Konzertflügel auf den breiten Schultern trug, und ein hagerer Artillerist mit schwarzem Schnurrbart, schwarzen Brauen, schwarzen, wirren Haaren und schwarzen Augen, einer kleinen, runden Mütze und einem braunen, gestrickten Wollkittel mit Perlmutterknöpfen. Herbst hatte die beiden auf der Straße gefunden und sie adoptiert, mit einem Wort. Sie waren seine Gäste im „Löwen von Antwerpen“, er ernährte sie, sie tranken, und er bezahlte.
Dafür waren sie ihm aber auch blind ergeben. Sie lasen die vergilbten Briefe, die er in seiner Tasche trug — lasen — verstanden — sofort! Sie kannten ja das alles, kamen selbst von da draußen und wußten wie es zuging. Aufmerksam hörten sie zu, wenn er von Robert erzählte — von dem Sturmangriff am 5. August, und schon am 4. war kein einziger zurückgekommen. Stundenlang hörten sie zu und immer wieder. Die Augen quollen aus ihren Schädeln.
Der schwarze Artillerist erhob sich, ergriff die Flasche und schlug damit auf den Tisch.
„Sage ein Wort — ein Wort genügt! Du brauchst nur zu sprechen!“ Und er warf lässig ein feststehendes Messer mit Hirschhorngriff auf den Tisch.
Auch der stämmige Infanterist erhob sich und schob den breiten Nacken vor.
„Du kannst dich verlassen auf uns. Soll es morgen sein?“