Dunkle Wolken fliegen über die Stadt, schwarz, eine hinter der andern — wie sie jagen! Gespenstisch!

Ja, gespenstisch, es sind die Toten, die Gefallenen, die über die Stadt dahinjagen und auf den Wolken stehen. Die Kälte des Grabes fällt aus ihren grauen, vereisten Soldatenmänteln. Denn sie lagen lange in der kalten Erde.

Der General erschauert, er zieht frierend den Mantel mit dem blutroten Aufschlag über der Brust zusammen. Er sieht die Toten nicht da oben auf den schwarzen Wolken, aber er fühlt die entsetzliche Kälte, die sie mitbringen.

Feuer spritzt vor seinen Füßen, ein Insekt schwirrt zischend an seinem Ohr vorbei. Schüsse knallen.

Nein, nicht der Mantel mit den blutroten Aufschlägen, er ist in Zivil, aber er hatte es für Augenblicke — wie lange? — vergessen.

Aus den finstern Straßenschluchten blasen Feuerfunken, aber der General fürchtet die Kugeln nicht. Er wendet ihnen die Stirn zu, er öffnet die Augen und blickt ihnen entgegen, er bietet ihnen die Brust dar und bleibt sogar stehen. Unbeirrt verfolgt er seinen Weg. Nur die entsetzliche Kälte, die aus den jagenden schwarzen Wolken fällt, erfüllt ihn mit Schaudern.

Licht in einer dunkeln Straßenschlucht. Ein totes Pferd liegt auf dem Pflaster. Schatten umdrängen den Kadaver, Soldaten und Weiber mit Messern. Sie zerlegen das Pferd und wickeln blutige Fleischstücke in Zeitungsfetzen und Schürzen. Dort an der Ecke ein Auto mit dem Zeichen des Roten Kreuzes. Eine helle Bahre gleitet durch den Lichtschein.

Und wiederum Finsternis, ohne Ende. Die Straßen sind dunkle Katakomben, Riesenschatten tanzen über die verlassenen Plätze, Schrecken lauert in den finstern Haustoren. Manche Straßen sind wie mit Schnee bedeckt. Das sind die Massen von Zetteln und Aufrufen, die täglich auf die Stadt niedergehen. Der Fuß des Generals raschelt in ihnen. Da! Der Schrei eines getroffenen Menschen. War es eine Frau? Ja, eine helle Stimme. Und das Feuer prasselt. Der Widerhall klopft an den Häuserwänden. Der Widerhall klopft im Herzen des Generals. Jede einzelne Kugel trifft ihn ins Herz. Zu Ende! Alles zu Ende! Schon töten sie sich gegenseitig.

An den Straßenecken ist ein Plakat angeschlagen: Berlin, halt ein, Dein Tänzer ist der Tod!

Ja, zu Ende —