Wieder taumelte das Rohr, und im Schein des Abschusses sah der General das große dunkle Schloß zusammenstürzen, das Dach stürzte, die Säulen, das Portal — aber kein Laut.

Entsetzen schüttelte ihn. Er schrie auf.

Da erwachte er. Seine Augen wanderten über die Wände.

Erst nach geraumer Zeit fand er sich zurecht. Er saß in seinem Arbeitszimmer, in seinem Sessel, genau wie vor wenigen Minuten. Sonderbar, die Uhren gingen, die Pendel schwangen, aber er hörte sie nicht mehr ticken.

Seine Lider waren schwer wie Blei, die Glieder wie gelähmt. Was geschah mit ihm? Müde, müde.

„Ich bin müde“, sagte er mit schwerer Zunge.

„Ich bin sehr, sehr müde!“

Er wollte aufstehen, aber er blieb dennoch sitzen. Vor seinen Füßen lag ein Schreibheft, ein dünnes beschmutztes Notizheft. Ach, ja, es waren die letzten Aufzeichnungen Kurts, seines ältesten Sohnes — gefallen bei Comble in der Sommeschlacht, ruhmvoller Verteidiger der Riegelstellung. Nun erinnert er sich: er hatte es aus dem Geheimfach genommen und wieder gelesen — wie in vielen, vielen einsamen Nächten. Feuer, Entbehrungen, Schrecken, Tod . . .

„Und alles umsonst?“ flüsterte der General und schüttelte fassungslos den Kopf.

„Alles umsonst!“