Dieser Schurke! dachte der General und rückte sich in der Ecke des wiegenden Wagens zurecht.

Durch einen Zufall — übrigens einen merkwürdigen, fast lächerlichen Zufall — hatte er heute erfahren, daß eine Vermutung, die er schon seit langer Zeit hegte, begründet war. Jener — nun eben jener „Schurke“, wie er ihn in Gedanken nannte — der in der Umgebung der höchsten Persönlichkeiten weilte, das Ohr der allerhöchsten Persönlichkeiten besaß, jener Schurke hatte ihn auf das „tote Geleise“ geschoben. Höchst einfach! Und so erklärte sich alles, ja.

Vor einem halben Jahr etwa hatte man dem Generalleutnant v. Hecht-Babenberg, achtundfünfzig Jahre alt, plötzlich, ohne jede Begründung, ohne jede Warnung, sein Frontkommando genommen und ihn zur Bureauarbeit nach Berlin abkommandiert — während draußen, wie er zu sagen pflegte, die Kanonen Europa in Fetzen schossen und eine neue Welt aus dem Blutmeer emporstieg.

Unerklärlich, unfaßbar.

Jüngere als er machten nun — auch das ist ein Ausdruck des Generals — Weltgeschichte. Unbekannte, aus unbekannten Geschlechtern stiegen in die Höhe. Es war die Zeit, um nicht zu sagen, Konjunktur, in die Höhe zu steigen. Und wie viele unfähige Narren kannte er (der General liebte starke Ausdrücke), Narren, die nicht imstande waren, ein Regiment durch das Brandenburger Tor zu dirigieren, und die heute, gestützt auf ausgesuchte Stäbe, Armeekorps führten. Er konnte, wenn man es wünschte, ihre Namen nennen! Erst vor kurzem hatte einer seiner Bekannten, seiner früheren Bekannten, besser gesagt, dreihundert Kanonen verloren — um daraufhin Gouverneur eines besetzten Landes zu werden. Es kam nur darauf an, gute Freunde zu haben. Das war das ganze Geheimnis, nichts sonst. Er hatte gegen die Russen eine Division geführt vor — wie lange war es doch her? — vor drei Jahren und sich das persönliche Lob seines Allerhöchsten Kriegsherrn erworben. Im Westen dagegen hatten seine Ansichten mit denen der Obersten Führung nicht immer übereingestimmt. Bei einem plötzlichen Angriff der Franzosen hatte er die Ansicht vertreten, zu halten, koste es, was es wolle, während man „hinten“, wo man alles besser wußte, der Meinung war, auszubiegen. Er hatte allerdings etwas liegenlassen — aber schließlich, was kam es auf diese relativ geringfügigen Verluste und ein paar Minenwerfer an?

Es war nichts — man bedenke: im Vergleich zu dreihundert Geschützen! Nichts —

Er würde heute, denn er konnte nicht gegen seine Überzeugung handeln, er würde heute genau so verfahren, auf Ehre und Gewissen! In seinem Abschnitt befand sich eine Höhe, die Höhe von Quatre vents, und es war nur natürlich, daß er diese für den ganzen Abschnitt, ja für einen großen Frontsektor wichtige Höhe nicht ohne weiteres preisgab. Dreimal gab er Befehl, Quatre vents zu halten, koste es, was es wolle. Erst als die Höhe vom Gegner flankiert war, gab er den Befehl zum Rückzug. Die Loslösung glückte dann allerdings nicht ganz, zugestanden.

Ein alltäglicher Vorfall — ohne jede Bedeutung.

Niemand würde —

Es war augenscheinlich: irgend jemand mußte die Hand im Spiel haben — irgend jemand, der ihm übel wollte.