Er — der das Ohr der höchsten Persönlichkeiten hatte —, jener „Schurke“, mit einem Wort.

Das Steingesicht geriet in Erschütterung: vor mehr als dreißig Jahren —

Aber plötzlich hielt das Auto. Es stand vor einem hellerleuchteten Blumengeschäft. Der General erwachte. Ein Verkäufer schleppte soeben ein Blumenarrangement, einen schweren Korb mit Maiglöckchen, an den Wagen.

„Hierher!“ rief der General und pochte an die Scheibe. Nässe und Kälte kamen mit herein. Augenblicklich begannen die Blumen Duft und Frische auszuatmen.

„Lessingallee!“

Die Limousine flog dem Westen Berlins zu. Die Federn knirschten. Bald hielt der Chauffeur warnend die Rechte, bald die Linke hinaus — die Pfeife trillerte — Schnelligkeit ist die Losung des Generals —

— vor mehr als dreißig Jahren, hatte er, der General, ihm, eben jenem einflußreichen Würdenträger, einen Streich gespielt, und damit hatte die Animosität, um nicht Feindschaft zu sagen, ihren Anfang genommen.

Es war auf einem Ball bei Baron Kreß. Eine junge Dame spielte eine Rolle dabei, und damals war er, der General, der beste Tänzer in Berlin. Damals wartete, gegen Morgen, ein Wagen vor der Treppe des Kreßschen Palais. Eine Dame springt die Treppe herunter. Sie hat den Pelz eilig um die Schultern geworfen. „Um Gottes willen,“ ruft sie, „er hat mich beobachtet, schnell.“ Schon rollt der Wagen davon. Der Pelz ist von den Schultern der schönen Dame gefallen, und er, der General, sagt: „Sie werden frieren, meine Gnädigste!“ Und er hüllt sie wie ein Kind in den Mantel. Sie trägt eine ganz dünne Robe, und es kommt ihm vor, als ob sie völlig nackt im Pelz stäke. Deutlich erinnert er sich dessen. Und er erinnert sich, daß dieselbe Dame seinen Rivalen rachsüchtig genannt habe, hüten Sie sich, er ist rachsüchtig! Welcher Instinkt, diese Frauen! Und sie war fast noch ein Kind.

Vor dreißig Jahren —

Hätte er damals ahnen können, daß sein Nebenbuhler sich einst bis zur höchsten Stellung emporschwingen sollte! Vielleicht wäre er immerhin etwas vorsichtiger gewesen, wer weiß es? Nicht ohne Grund hatte er seinen Söhnen immer eingeschärft: Freunde zu werben. Freunde, schon in der Kadettenanstalt. Denn Freunde waren im späteren Leben — alles. Nicht die Begabung — welche Albernheit — die Beziehungen waren alles.