Ströbel öffnete seinen Gästen selbst. Er hatte nach zehn Uhr keine Dienstboten mehr im Hause, um gänzlich ungeniert sein zu können.

Wüster Lärm drang aus der Wohnung. Das ganze Haus bebte. Dieser Herr Ströbel — oder Herr v. Ströbel, niemand wußte es genau — besaß vor dem Kriege nichts als ein paar gutsitzende Anzüge, darunter einen schwarzweiß karierten Sommeranzug, der so auffallend war, daß man sich heute noch an ihn erinnerte, einen Zylinder und einige Paar sehr elegante, etwas dandyhafte Schuhe. Das war alles, was er besaß — dazu Beziehungen.

Heute war er reich, er hatte eine Motorenfabrik, und seine Beziehungen waren noch besser geworden.

Er war auch kurze Zeit im Felde — aber das war eine Geschichte für sich . . .

„Welch abscheuliches Wetter“, rief Otto aus und schüttelte sich. Seine Augen flackerten vor Unruhe.

„Das Wetter ist nicht das Schlimmste“, erwiderte Ströbel, der sich in einen Sessel der Diele geworfen hatte und die Lackschuhe gegeneinander klappte. „Es ist die Finsternis! Eine nordische Stadt ohne Licht — wie stellen Sie sich das vor? Es ist ein schlechter Scherz! Eine nordische Stadt ist der Finsternis abgerungen und das Produkt des Lichts. Das Licht gab ihr Inspiration, Energie, Laune. Im Süden — Sie waren nie im Süden? — da braucht man kein Licht — Himmel, Sterne. — Aber hier oben? Ohne Licht sinkt eine nordische Stadt wieder in Bedeutungslosigkeit zurück. Verdunkeln Sie London und es wird ein armseliger, kleiner Fischereihafen —.“

„Nennen Sie Berlin eine nordische Stadt?“

„Natürlich. Es fiel früher nur nicht auf. Jedenfalls aber — schlimm, Otto, schlimm! — geht diese Stadt vor die Hunde. Ja vielleicht ist es schon so weit — wir wissen es nicht mehr —“

Otto schrak zusammen: Drinnen fiel ein Schuß. Geschrei. Händeklatschen.

„Wird bei Ihnen geschossen?“