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Der Tiergarten brauste, in seiner Tiefe grollte es wie die Brandung des Meeres. Die Wipfel mahlten in der Finsternis, und zuweilen peitschte ein Zweig ohne jeden Grund rasend den Himmel. Ohne Aufhören floß der Regen herab.
Finsternis, kein Licht weit und breit. Doch halt, im Hause des Generals wurde nun ein Fenster hell. Es war das Fenster gleich rechts vom Hauseingang, Ottos Zimmer.
Der Morgen war nahe.
Am Rande des Tiergartens stand ein Schutzmann in seinem Regenmantel. Er horchte. Ein Schuß —? Er schabte mit den schweren Stiefeln auf dem Pflaster und ging ein paar Schritte über die Straße. Er blickte hinüber zu den Gärten, hinter denen die Regierungsgebäude liegen. Vielleicht hat sich jemand in den Regierungsgebäuden erschossen? Ein Minister? Wie? Wie? Und doch ein Schuß, sagte der Schutzmann und zog sich tiefer in das Dunkel des Tiergartens zurück. Jede Nacht erschoß sich hier jemand — ein Soldat, ein Bankrotteur, ein Verschmähter. Der Schutzmann bohrte seine Augen in den finstern Park und versuchte mit seinem Polizistenblick das Dunkel zu schrecken.
Immer noch war Ottos Zimmer, gleich rechts vom Hauseingang, hell erleuchtet. Immer noch sang melancholisch der Regen.
Nun aber dämmerte Licht auch in den Gemächern links vom Hauseingang. Die Türe zum Schlafzimmer des Generals wurde geöffnet, und ein Schleier von Licht drang durch die Gardinen.
Da erschien die breite Gestalt des Generals in der lichten Türe. Der General war im Schlafrock und taumelte schlaftrunken. Er verlor immerzu die zinnoberroten Pantoffeln, während er sich in das Vorderzimmer tastete. Ein Schatten kroch vor ihm her.
„Wie sagst du —?“ Er räusperte sich, seine Mundhöhle war ausgetrocknet, denn der General schlief mit offenem Munde und schnarchte. „Verletzt, sagst du —?“ Er bemühte sich, die Schnur des Schlafrocks zuzuziehen, um sich nicht zu erkälten. Schon wieder hatte er einen Pantoffel verloren und tastete mit dem nackten Fuße danach.
„An der Hand — der Herr Oberleutnant —“