„Man sollte doch meinen, daß er mit Schußwaffen umzugehen versteht!“ schrie der General den Burschen an. Eigentlich hätte er dies Otto sagen sollen, aber in derartigen Augenblicken wandte er sich mit Vorliebe an Untergebene.

„Mache Licht!“

Zornrot ragte der Kopf aus dem fleischfarbenen Schlafrock. Auch dieser Schlafrock zeigte karmesinrote Aufschläge, nicht so groß wie der Mantel, aber von der gleichen Farbe.

„Beim Packen also —? Was soll das Gestotter!“

„Der Herr Oberleutnant wollte den Revolver in die Kiste schieben, da ging er los — ganz von selbst. Er ist schon einmal losgegangen.“

Mit wütenden Schritten ging der General durch die Zimmer. Der fleischfarbene Schlafrock wehte. Plötzlich aber hielt er den Schritt an und tastete mit der Hand gegen einen Türrahmen. „Ein Glas Wasser, Jakob“, sagte er. „Und dann — hörst du — wecke meine Tochter, sofort — aber nicht du sollst sie wecken — sondern wecke Therese, und Therese soll meine Tochter wecken. Wangel soll sofort das Auto holen.“

Das Blut war aus seinem Kopf gewichen, er war totenbleich geworden. Er taumelte ein paar kleine Schrittchen rückwärts, bis seine Hand eine Stütze an einem Sessel fand. Der Atem pfiff in kurzen Stößen aus seiner Brust.

„Und nun also ein Glas Wasser!“

Der General hatte nur einen flüchtigen Blick durch Ottos halboffene Tür geworfen. Otto stand gestiefelt und gespornt, rasiert und frisiert, fix und fertig zur Abreise. Auf dem Boden lag die gepackte kleine graue Offizierskiste. Er sah völlig nüchtern aus, gesammelt, ohne jede Spur von Betrunkenheit.

Und dann ein Handtuch — zusammengerollt, wie ein blutiger Klumpen . . . Es war eine Schwäche des Generals, daß er kein Blut sehen konnte. Es war ihm immer peinlich gewesen — im Felde, wo es sich doch nicht vermeiden ließ — aber es war eine Schwäche, die er schon in der Kadettenzeit gehabt hatte. Es war ganz hoffnungslos, dagegen anzukämpfen.