Ein Lichtbüschel züngelte mitten durch das Fenster einer Mietskaserne im Nordosten Berlins — einer grauen, mürrischen Mietskaserne, über deren Fassade sich die Riesenaufschrift „Leihhaus“ erstreckte — und blendete in ein aufgeschlagenes Buch. Dieses Buch lag auf einem kleinen Tisch dicht am Fenster des armseligen Zimmers. Das Buch flammte, Feuer schlug heraus: es war die Bibel!
Eine Hand hatte Verse angestrichen, und diese Verse brannten unter dem Lichtstrahl:
„Und die Könige auf Erden, und die Obersten, und die Reichen, und die Hauptleute, und die Gewaltigen, und alle Knechte, und alle Freien verbargen sich in den Klüften und Felsen an den Bergen.“
„Und sprachen zu den Bergen und Felsen: Fallet auf uns, und verberget uns vor dem Angesichte des, der auf dem Stuhl sitzt, und vor dem Zorn des Lammes.“
„Denn es ist kommen der große Tag seines Zorns, und wer kann bestehen?“
Da glühte das ganze Buch, flammte auf und brannte.
Neben dem Buch stand eine kleine Schreibmaschine veralteten Systems. An der Türe des kleinen Zimmers hing ein großer, weiter, grauer Soldatenmantel.
Nun trat ein junger Mann ins Zimmer, und während er in den Mantel schlüpfte, fielen seine Blicke auf die aufgeschlagene Bibel, die im Lichtstrahl flammte.
„Auch die Apokalypse gibt keine Deutung!“ sagte der junge Mann kopfschüttelnd, mit rasenden Augen, und schloß das Buch. Sofort erlosch es, schwieg es, wurde es stumm.
„Diese apokalyptischen Reiter — sie sind Schemen. Das Blut stieg bis an die Zäume der Pferde — er sollte es mit eigenen Augen sehen — die Pferde versinken im Blut!“