„Etwas war offenbar nicht in Ordnung mit Ihrem Brief, Herr Herbst!“

„Nicht in Ordnung —?“

„Nein. Seine Exzellenz — Sie haben doch gutes Papier genommen? Jedenfalls haben Seine Exzellenz —“ Der Portier in seinem im Laufe der Kriegsjahre etwas schäbig gewordenen Mantel brach ab, öffnete die Glastüre der Loge und verbeugte sich. „Guten Morgen, Herr Oberst!“ Säbel rasselten, ordenglitzernde Brüste schwebten am Glasfenster vorüber, Lackstiefel, rote Streifen, Pelzkragen. Die Soldaten und Schreiber huschten die Granittreppen hinauf. Der Dienst begann wieder, dieselbe Sache, wie seit Jahren.

„Jedenfalls war etwas mit Ihrem Brief nicht in Ordnung. Seine Exzellenz waren — hm — ungehalten.“

„Sie selbst haben mich doch ermutigt.“

„Höflich und richtig abgefaßt. Ich habe gesagt, versuchen Sie es. Reichen Sie ein Gesuch um eine Audienz ein. Haben Sie gehorsamst geschrieben?“

„Ja, gehorsamst habe ich geschrieben.“

„Der Umschlag, ich sagte Ihnen ja gleich, ein weißer wäre besser gewesen. Diese hohen Herren haben ihre Eigenheiten. Sie sehen auf Kleinigkeiten, wenn zum Beispiel auch nur ein ganz kleiner Schmutzfleck da ist — Guten Morgen, Herr Major, Herr Rittmeister! — Es ging ja noch gut ab, aber es hätte leicht ein Donnerwetter setzen können, schon fürchtete ich einen Blick zu bekommen, ja, wissen Sie, einen Blick —! Und nun ist heute nacht diese Sache passiert — wissen Sie — diese Sache —“

„Welche Sache?“

„Nun, der Sohn Seiner Exzellenz — der Herr Oberleutnant,“ die Stimme des Portiers sank zu einem Flüstern herab, „er hat Malheur gehabt mit dem Revolver, beim Packen. Der Revolver hat sich geklemmt, und schon ging also der Schuß los — in die Hand.“