Seit einer Woche bereits antichambrierte dieser Herr von der Presse, und Weißbach wagte kaum noch, ihn zu melden. Der General verachtete alles, was mit diesem Gewerbe zu tun hatte — all diese entgleisten Studenten, Gelehrten und Schriftsteller, die die Anmaßung besaßen, die öffentliche Meinung machen zu wollen.
Die hohen Bogenfenster spiegelten sich im gewichsten Parkett, der breite Goldrahmen des großen Kaiserbildes an der Wand glänzte. Sonst war der Arbeitssaal Leere und Kahlheit, bewohnt einzig und allein von Seiner Majestät, mit dem Marschallstab und der von Orden, Kreuzen, Sternen, Tressen und Schnüren funkelnden Brust.
Von tiefem, feierlichem Blau waren die langen, schmalen Vorhänge an den hohen Bogenfenstern, silbergrau die Wände — zuweilen wichen sie zurück, wenn der General arbeitete — in weite Fernen, und es schien ihm dann, als säße er in einem endlosen Nebel.
Der General heftete den Blick auf das Kaiserbild — täglich tauschte er Blicke mit seinem obersten Herrn. Aber die Augen des Soldaten im weiten Mantel erschienen vor seinen Blicken: sonderbare Augen, in der Tat — genau wie auf den alten Ölgemälden —
Schon trat der Herr von der Presse ein — mit einem feierlichen Bückling, bis zum Parkett. Ein warmer Unterton in der Stimme des Generals ermutigte ihn näher zu treten.
Weißbach unterbrach die Unterhaltung.
„Das Regiment“, meldete er. „Befehlen Herr General das Gespräch hier hereinzulegen?“
„Ich bitte — es wird wohl nicht stören?“ Der Herr von der Presse wußte das außergewöhnliche Vertrauen zu schätzen.
Und der General begann in das Telephon zu schreien: „— schon unterrichtet — jawohl — eine Abschiedsfeier, Herr Oberst, die bis morgens um sechs Uhr dauerte —“ Und nun lauschte der General und verbeugte sich am Telephon. Der Regimentskommandeur drückte die Hoffnung aus, seinen tapfersten Offizier bald wiederzusehen. Er sagte ausdrücklich: tapfersten — hier verbeugte sich der General — und wieder heulte der General in das Telephon. „Stimmung ausgezeichnet, sagen Sie — prächtige Laune — Zuversicht — es wird ja wohl bald wieder vorwärtsgehen —“ und wieder lachte der General in das Telephon.
„Sie verzeihen die Unterbrechung. Meinem Sohn ist ein kleines Malheur zugestoßen. Beim Einpacken, er sollte heute zum Regiment zurück, klemmt sich der Revolver, und plötzlich geht er los —“