Aus dem grauen Hause des Generals, mit den Messingbeschlägen an der Türe, die unausgesetzt geputzt und poliert wurden von den beiden Burschen, war täglich eine junge Dame gekommen. Heute, morgen, jeden Tag. Seht an!

Eine Zigarre gefällig, Herr Soldat. Ein Zigarrchen — immer fleißig, ein schöner Wintertag . . .

Nun kannte er Jakob und Wangel. Mit Jakob kam er öfter ins Gespräch. Außer Ruth war auch noch ein Sohn da, Otto, Oberleutnant, im Felde, und die Frau des Herrn Generals — tot, ja, tot, seit Jahren.

Jeden Tag aber ging das gnädige Fräulein in die Dorotheenstraße und verschwand in einem Torbogen. Schließlich wagte er es, ihr zu folgen. Auf diese Weise hatte er die Küche in der Dorotheenstraße entdeckt.

Täglich konnte er nun seine Tochter, die Tochter des Generals, sehen! Da stand sie, dicht neben ihm — Fleisch von seinem Fleisch, Blut von seinem Blute. Der Haß kochte, die Gelüste nach Vergeltung fraßen . . .

Er beschloß, sie zu beleidigen! Vor allen Gästen! Vielleicht würde er ihr einen Teller vor die Füße werfen, aber so, verstehen Sie, daß er in tausend Stücke zersprang. Weshalb eigentlich? Ja, unerklärlich — hatte sie ihm etwas getan?

Tagelang brütete er, schmiedete er Pläne. Vielleicht würde er einen Teller mit Kohlgemüse über ihre Schürze schütten? Eine herrliche Idee! Aber da ergab sich die Sache ganz von selbst.

Der Havelock blieb stehen und verschnaufte. Ob er in jene Kneipe gegenüber gehen sollte?

Ganz von selbst Eines Tages, ganz unerwartet, fügte es sich, daß sie dicht neben ihm an einem Tische plauderte. Nun aber kam das Schmachvolle —

Heute noch trat ihm der Schweiß auf die Stirn, wenn er an das Schmachvolle dachte, obgleich schon zwei Monate seitdem vergangen waren.