Dieses schweigende Gesicht, das nie sprach, diese Augen, die man nie sah! Dieser Gang — und der tiefe Bückling des Portiers! — ohne jeden Zweifel: er war es! Robert hatte ja ausführlich aus dem Felde geschrieben: Wir marschierten vorüber, und unser General stand auf der Treppe seines Schlosses und grüßte. Er und kein anderer! Wie aus einem Felsen gehauen . . . schrieb Robert. Das also war er, den die Soldaten — nun, besser, das Wort nicht auszusprechen — nannten! So sahen die aus, die befahlen: Nur über unsere Leichen führt der Weg zur Höhe! — Die Briefe Roberts knisterten in seiner Tasche.

Tagelang verfolgte ihn das Steingesicht durch das Labyrinth der Straßen.

Sonderbares Gesicht aus Stein. Es zog an!

Jeden Mittag schoß das graue Auto in die gleiche Richtung — schon zwei Tage später stand der Havelock vor Stifters Diele. Und plötzlich grüßte er, und der General hob die Hand zur Mütze. Weshalb? Weshalb grüßte er, er hatte eine Sekunde vorher gar nicht daran gedacht, daß er den General grüßen könnte — grüßen durfte. Es war gewiß anmaßend, unhöflich. Nach drei Tagen — er hatte nichts zu tun, gar nichts, Rentier Herbst — nach drei Tagen schon wußte er, wo der General wohnte.

Dieses Haus — Sie erlauben wohl — kannte er ganz genau, jedes Fenster und die kleinsten Risse in der grauen Mauer. Das Haus erschien ihm im Traum — als ein Gesicht aus grauem Stein. Er kannte auch das efeubewachsene Backsteinhaus mit dem Messingschild: Dönhoff. Er kannte den Zebrakittel, Petersen — alles liebe Menschen, gesprächig —

Der Havelock rollte auf seiner kleinen Wolke über den Belle-Alliance-Platz, unter der Hochbahn hindurch, die Blücherstraße hinab.

Hier glitt er an einem schmalen, gelben Hause einigemal hin und her, blickte nach oben zur dritten Etage, wo die Rolläden herabgelassen waren. Dieses Haus, diese Etage schien ihn ungemein zu interessieren — anzuziehen, abzustoßen . . .

Seine Schultern krümmten sich zusammen, er ächzte, plötzlich fühlte er die Last wieder, die ihn zu Boden drückte, die er ewig mit sich schleppte durch die endlosen steinigen Straßen Berlins.

Dann aber wandte er entschlossen um und rollte wieder die Blücherstraße hinauf.

Da aber blieb die Wolke stehen und war nicht mehr vorwärts zu bewegen. Im nächsten Augenblick — schon war er drinnen. Ein Gläschen, noch eines und ein drittes! Schon war er wieder auf der Straße.