Ein paar Minuten blieb der Platz leer, dann aber strömte das Leben wieder auf ihn zurück. Kinder, Mädchen, Hunde, der Waffelbäcker, Feldgraue und Lehmfarbene. Die Chauffeure, die ausgerückt waren, standen plötzlich wieder bei ihren Wagen.

Das Glockenspiel des Beffroi bimmelte wieder seine fromme, gottergebene Weise.

Nichts war geschehen. Das träumende Brügge war zusammengeschauert in seinem Traum. Das war alles.

Die Schlacht bei Arras

4. Juni

Auf der Lorettohöhe, die gestern noch niemand kannte und die heute in aller Munde ist, stand eine Kapelle, die berühmte Kapelle von Notre Dame de Lorette. Nach einer französischen Legende sollte sie in diesem Kriege eine geheimnisvolle und wunderbare Rolle spielen. Die Kapelle existiert heute nicht mehr, sie ist ein Schutthaufen. Zusammenstürzend hat sie die Legende unter ihren Trümmern begraben.

Joffres zweiter, größter und wütendster Durchbruchsversuch ist gescheitert. Diesmal sollte es geschehen! Es handelte sich nicht um ein paar lumpige Gräben, es handelte sich um die Zerschmetterung der feindlichen Menschenmauer. Die Fahnen des französischen Marschalls flatterten bereits in Lille, in Valenciennes. Es ist nichts daraus geworden.

Sorgfältig und umsichtig, wohldurchdacht waren Joffres Vorbereitungen. Sie reichen bis in den April zurück. Truppenverschiebungen, Heranziehen der Reserven, das Herbeischaffen von Munition, jener Berge von Munition, die der Marschall brauchte, um uns zuzudecken. Das alles mußte so geheimnisvoll wie möglich geschehen, heute, wo die Augen der Heere hoch oben in der Luft hängen. Eine bedeutende Leistung! Eine Provinz wollte Joffre erobern, ein Riesenheer setzte er in Bewegung, ein paar Dörfer und Schützengräben hat er gewonnen. Sie kosteten ihn eine ungeheure Zahl von Menschenleben.

Und heute, nach beinahe vier Wochen, ist diese ungeheure Schlacht noch nicht zu Ende. Noch immer stampfen und pochen die Geschütze. Die ganze letzte Nacht hindurch schlugen sie. Aber es ist nicht mehr die Wut des Orkans, der ausbricht, es ist die hohe Dünung nach dem Sturm.

Vier Tage vor dem 9. Mai begann der Feind unsre Stellungen unter schweres Feuer zu nehmen. Am 9. Mai, dem Tage des Angriffs, in aller Frühe, eröffnete er, ganz wie im Frühjahr in der Champagne, ein beispielloses Trommelfeuer auf unsre Gräben. Er trommelte sie auf der ganzen Front ab, von Arras angefangen bis hinauf in die Höhe von Lille, eine Strecke von vierundzwanzig Kilometern. Es war die Hölle. Die Erde dort ist durchsiebt von Granaten. Dann gingen seine Kolonnen in dichten Staffeln vor. Aber das Unmögliche geschah: unsre Truppen hielten stand gegen die mehrfache Übermacht. Wir wollen sie nicht vergessen, die Leute von Ecurie, Neuville, Ablain, Carency und wie sie heißen! Was sie taten für uns, das wird die Geschichte später verkünden. Es war übermenschlich, mehr als Heldentum. Ein paar Gräben gingen verloren, Carency und Ablain mußten geräumt werden von uns, das war alles. Unbedeutende vorgeschobene kleinere Stellungen gaben wir freiwillig auf.