Sie raucht.
Auf den ersten Blick sieht es aus, als würden auf dem goldgrünen sanften Abhang der Höhe, über den still die Wolkenschatten ziehen, Feuer von Kartoffelkräutern abgebrannt, deren rostbrauner Qualm senkrecht in die heiße Luft steigt. Als ständen hinter der Höhe, hinter dem Bois de Bovigny, Reihen von Fabrikschlöten, die ihren Rauch emporwirbeln lassen. Aber diese dicken Säulen rostbraunen Qualms entstehen urplötzlich, ohne jede Vorbereitung, drei, vier fahren nebeneinander aus der Erde. Sie wechseln ebenso urplötzlich den Ort, bald stehen sie höher, bald tiefer, bald ein paar Kilometer rechts, bald links. Sie sind rostbraun und rostrot und zuweilen schwarz wie Ruß. Es sind die Einschläge der französischen Granaten, die unsere Gräben eindecken wollen. Die Gräben selbst kann man von hier aus nicht sehen, aber an den Einschlägen der Granaten kann man ihre Kurve verfolgen, die sich quer über den Fuß der breiten Höhe zieht. Auch hört man die Einschläge nicht, denn die Geschütze donnern und rollen ohne Pause.
Aus dem Bois de Bovigny wirbelt eine pechschwarze Rauchwolke empor, turmhoch, und in der nächsten Sekunde eine zweite, deren Qualm sich hoch oben mit dem Qualm des ersten Einschlages vereinigt. Deutsche Granaten. Die schwarzen Rauchfahnen hinter dem Wald wehen hin und her, sie steigen an verschiedenen Stellen zur gleichen Zeit in die Höhe, stehen minutenlang und nehmen die Form von Pinien an. Sie verblassen, und ein neuer Krater speit Schwärze und Finsternis in die Luft empor.
In der Talmulde, die so friedlich und sonnig aussieht, hinter den winzigen Häusern da unten, wälzt sich eine safranfarbene Wetterwolke. Sie schwankt schwer und unheilvoll am Boden, hebt sich hoch und steigt dick geballt in die Luft, einen Teil der Höhe verdeckend. Eine schwere Granate, die einer unserer Batterien galt. Wütende Abschüsse. Schlag auf Schlag, die Luft dröhnt. Hinter dem Bois de Bovigny, im Tal gegen Ablain zu, steigt eine schwarze Wetterwand in den blauen Himmel. Wir bleiben ihnen nichts schuldig!
Plötzlich kommt unten in der Talmulde eine rostbraune Granatwolke ins Laufen. Es sieht merkwürdig aus. Es ist ein spitzer Kegel, ein spitzer Wirbel von rostbraunem Rauch, der sich rasch dahinbewegt wie der Rauch eines Eisenbahnzuges. Es ist ein Auto, das da drunten auf dem staubigen Straßenfaden wie toll dahinfegt. Es fährt um sein Leben. Ein weißes Wölkchen steht urplötzlich über dem Auto im heißen Blau des Himmels. Ein Schrapnell. Zu hoch. Ein zweites. Das Auto läuft wie eine Maus, die Angst hat. Es ist toll, hier zu fahren! Droben im Bois de Bovigny sitzt der Franzose mit seinen Scherenfernrohren und sieht jede Katze im Tal. Es sind Offiziere, Befehlsüberbringer. Es muß sein. Durch!
Die Sonne brennt. Es ist drückend heiß, und der Schweiß läuft mir über das Gesicht.
Die Lorettohöhe blinzelt und blinkt. Ein unsichtbares wütendes Fabeltier stampft auf ihr hin und her und reißt den Boden mit den Hörnern auf und schleudert die Erde in die Höhe. Heiß, heiß wie die Hölle muß es dort drüben in den Gräben sein, wo unsere tapferen Jungen liegen. Der Himmel sei ihnen gnädig.
Nachtkämpfe bei Arras
Im Juni
Erstickend heiß, staubig und lärmend waren die Straßen am Tage, und nun genieße ich es, in die sinkende Nacht hinauszufahren. Schon stehen die Sterne blaß am Himmel. Die Bäume rauschen, und die Luft ist lau und erfrischend. Die Dunkelheit erquickt die Augen, die entzündet sind von Staub und Schweiß. Es ist die Zeit, da die Kröten aus den Löchern kommen.