Ein Granatsplitter fegte an seinem Gesicht vorbei, nahm ein Stückchen der Braue mit, ein kleines Eckchen des Lides und eine Spur des Nasenrückens. Ich beglückwünsche ihn, ein wenig tiefer und was wäre aus Ihnen geworden?
Aber er schüttelt den gelben Kopf und blickt mich mit seinen kranken Augen an. Ah, wozu? Für ihn gibt es keinen Trost.
Es ist nicht leicht, mit Gefangenen zu plaudern. Ein Wort, ein Blick, eine Änderung der Haltung und ihr Vertrauen ist wie weggeblasen. Sie stoßen einander an, sie starren auf den Sprecher, daß er verstummt, sie schweigen. Dann ist es vorbei, nichts kann mehr ihre Zunge lösen. Man muß es fühlen, wenn dieser Augenblick droht, und dem Gespräch eine neue, harmlose Wendung geben.
Die Geschichte mit den „schweren Verlusten“ war der kritische Moment. Der Sprecher hatte zuviel gesagt, obwohl er ja nichts verriet, sie fühlten es, und weil sie es fühlten, fühlte er es auch. Sie erkalteten.
„Ihr habt euch bewunderungswürdig geschlagen!“ sage ich. Sie rekeln sich, bescheiden, verlegen, sie schweigen.
Ich greife mir einen Mann heraus, der einen dünnen, schäbigen Leinwandkittel anstatt des Blaugrauen trägt.
„Et toi, mon ami, wie siehst du aus?“
Die Kameraden, die Blaugrauen und Eleganten lachen. Wie er sich schämt, es ist rührend. Er blickt auf sie, auf mich, er windet sich vor Feinfühligkeit. Er stellt mit der ausgebreiteten Hand eine Grenze her zwischen den Kameraden und mir: „Mein Herr!“
Ja, eine Granate hat ihn ausgezogen. Er flog in einen Granattrichter, sein Rock verbrannte und die Lumpen fielen ihm von den Schultern. Ebenso erging es seinen Pantalons. Es ist nur gut, daß es warm ist! Er deklamiert und seine Kameraden lachen.
„Sie sind ein tapfrer Soldat wie die andern. Es ist ja ganz egal, wie Sie aussehen.“