Wo der Fluß blinkt, im Feld, sind die Gräben. Man sieht die gelben Striche mit dem bloßen Auge. Aber selbst mit dem ausgezeichneten Glas kann man keine Spur von Leben in den Gräben entdecken. Bei der Baumschule dort, an einer Telegraphenstange, hängt eine französische Flagge. Sie wurde heute nacht angebracht.

Plötzlich aber entdecke ich doch etwas! Aus einem grauen Dorf, gerade gegenüber, einem Vorort, steigt eine runde Wolke wie von Wasserdampf. Aber nichts regt sich, keine Seele. Das Dorf scheint verlassen. Die Wolke verdichtet sich, reckt sich höher, es kommt Leben in sie, Nahrung, die Granate hat gezündet. Fünf Minuten und sie wächst und wächst. Plötzlich aber wird sie rasch kleiner und kleiner: es sind also doch Menschen dort in dem toten Dorf! Französische Reserven liegen dort.

Es kracht in der Nähe. Abschuß! Eine Granate rauscht und gurgelt über unsre Köpfe hinweg, hinüber nach Soissons. Die Sekunden vergehen. Wo wird sie aufschlagen? Eine weiße Wolke, dort bei den roten, neuen Schuppen. Dann erst der scharfe Knall des Aufschlags. Die Schuppen sind die letzten Häuser des Vororts St. Paul. Nichts regt sich, kein Mensch erscheint, um nachzusehen, was die Granate hier bei den Schuppen will. Die weiße Wolke zerstiebt.

Abschuß! Mächtig schleift die Granate durch die Luft. Sie schlägt vor den Schuppen in eine Baumgruppe ein. Die Bäume rauchen. Plötzlich röhrt und rauscht es näher über dem Unterstand. Bekommen wir Antwort? Nein. Der Abschuß fiel mit dem Krach der einschlagenden Granate zusammen. Eine graue Wolke hängt über der Baumgruppe, ein gespenstischer, grauer Oktopus, der seine Fangarme langsam nach den Bäumen ausstreckt. Ein Schrapnell.

Soissons aber liegt und regt sich nicht. Wie die Gazelle vor den Augen des Tigers liegt es da.

Fliegerangriff auf Fesselballone

Im Juli

Gegen sieben Uhr abends fahren wir, der Rittmeister v. B. und ich, in das Arbeiterdorf X. Y. ein. Wir haben hier zu tun. Der Rittmeister läßt halten, um nebenher einem Bekannten guten Tag zu sagen. Kaum ist er fort, so gibt es einen Knall. Was ist los? Ringsum schlagen die Geschütze, und ich beachte den Knall nicht weiter. Aber Leute und Kinder laufen zu einer Stelle neben der Straße. Oben brummt ein Motor. Ein Flieger hat eine Bombe geworfen! Sie fiel zweihundert Meter vor dem Auto nieder, und es ist gut, daß wir zufällig hielten. Ein Arbeiter wird weggeführt. Erschrocken und verstört sieht er aus. Ein Splitter hat ihn am Arm verletzt. Er rauchte gerade seine Feierabendpfeife ganz friedlich und dachte an nichts. Da kam die Bombe aus der Luft. „Ist die Verletzung schwer?“ frage ich einen Arzt. „Nein, nein, eine Kleinigkeit.“

Ein Rudel von Kindern hockt um das Loch herum, das die Bombe schlug. Sie graben mit ihren schwarzen Pfoten, hastig und gierig wie Hunde, ob sich nicht irgend etwas findet. Die Splitter haben Fetzen aus den geschwärzten Backsteinmauern geschlagen. Eine Mauer ist wie von scharfen Krallen zerkratzt. Man kann genau den Streuungskegel feststellen. In zwanzig Meter Entfernung schlugen die Splitter einen knappen Meter hoch ein.

Der Rittmeister kommt zurück. „Was ist los?“