Gleichgültig und stumpf stehen die Ballone währenddessen am Himmel, als gehe sie die ganze Sache nichts an. Sie rühren sich nicht. Sie sind wie fliegende Elefanten, denen es gegeben ist, an Ort und Stelle in der Luft stehen zu bleiben. Die Beobachter sitzen und telephonieren und dirigieren, während die Geschütze feuern. Sie würden sitzen und beobachten, wenn der Himmel über sie herabbräche. Es muß sein, und so tun sie es, ohne überhaupt ein Wort darüber zu reden.

Die Libelle scheint, wie ich sagte, nunmehr ernste Absichten zu haben. Sie steuert unseren Ballon kaltblütig und tollkühn an, in zweitausend Meter Höhe, trotz des wütenden Feuers. Plötzlich platzt ein Schrapnell unmittelbar rechts von ihr. Sie blitzt golden auf, wendet und zieht schnurstracks nach Hause! Sie ist getroffen. Ja, die Libelle ist fertig. Sie streckt die Flügel, so sehr es geht, aber es gelingt ihr doch nicht mehr, über unsre Linien zu kommen. Sie muß landen und ist gefangen.

Der rasche Doppeldecker und die kleine Schwalbe, die ich immer wieder aus den Augen verlor, setzen die Angriffe fort. Nur noch wenige Minuten, dann kommt ein neuer, sehr rascher Doppeldecker dazu. Er überfliegt in großer Höhe das Dorf, unsern Ballon – aber er bekommt kein Feuer. Es ist einer von uns, ein Kampfflugzeug. Die Franzosen haben ihn gesehen, er ist rascher und stärker als sie, es wäre Unsinn, sich mit ihm einzulassen. Zwei von den ihrigen hat er schon ohne viele Umstände heruntergeschossen. Ehe er noch nahekommen kann, geben sie Fersengeld. Sie entfliehen in einer Gabel, der Doppeldecker nach Westen, die Schwalbe nach Südwesten. Der Kampfflieger jagt in der Mitte hinter ihnen her, um einen, wenn möglich, abzuschneiden. Die Schwalbe wird zu einem dunkeln Punkt, der Doppeldecker zu zwei goldenen, feinen Strichen. Der Kampfflieger verblaßt.

Nun aber bekommt er Feuer, von der Lorettohöhe herüber. Schmutziggraue Tupfen stehen unter ihm. Es hat keinen Zweck mehr, er macht kehrt. In toller Fahrt, brummend und summend, fliegt er über das Dorf zurück. Wie eine Bulldogge, die ein paar Kläffer in die Flucht schlug und nun höchst zufrieden nach Hause galoppiert. Die Schrapnellwölkchen zerfließen am Himmel.

Im Westen, ferne, steht ein Feld safrangelber Schrapnelltupfen. Ein später Flieger, der Feuer bekommt.

Über die Lorettohöhe steigt die erste bleiche Leuchtkugel empor. Die Geschütze schlagen lauter. Die Nacht kommt.

Der gefangene Sozialist

Im Juli

„Ist der Schriftsteller hier? Er soll vortreten!“

Der Knäuel der Gefangenen kommt in Bewegung. Ein brauner, breitschulteriger Soldat in verstaubtem, blaugrauem Mantel tritt vor. Sein derbes Gesicht ist heiß und schmutzig, seine Hände sind hart und groß. Sein Blick ist fragend und fest auf mich gerichtet. Er sieht aus wie ein Soldat, ganz wie die anderen, keineswegs wie ein Mann der Feder.