„Sie sind Schriftsteller?“ – „Ja, mein Herr. Ich bin Journalist.“ – „Ich bin ein Kollege von Ihnen und möchte mit Ihnen sprechen.“ – „Zu Ihrer Verfügung.“

Die andern sind stumm und hingerissen vor Neugierde. Sie verlieren vollkommen ihre militärische Haltung und verwandeln sich in Bauern und Handwerker, die zuhören wollen und ihre Neugierde nicht verbergen. Sogar der mit dem verbundenen Kopf ist herbeigekommen und dreht neugierig den Hals, soweit es seine Verwundung erlaubt.

„Gehen wir ein wenig.“ Ich winke den französischen Kollegen heran, und wir gehen in dem heißen Hofe hin und her.

„Wann wurden Sie gefangengenommen?“ – „Gestern abend. Im Labyrinth. Wir waren in den deutschen Graben eingedrungen und wurden abgeschnitten. Wir konnten weder vor noch zurück. Es war nichts mehr zu machen.“ – „Wie haben unsre Soldaten euch aufgenommen?“ – Er sieht mich an. – „Sie haben uns als Soldaten behandelt, ganz wie es bei uns zu sein pflegt, wenn wir deutsche Gefangene machen.“

Da vorn, ganz vorn, wo Mann gegen Mann steht, lernt der Soldat den Gegner achten. Ich sprach einen Feldgrauen, von einem badischen Regiment, der vierundzwanzig Stunden in französischer Gefangenschaft war. Er wurde bei einem Patrouillengang abgeknüpft. Wie es ihm drüben erging? Es ging ihm glänzend! Die Aufnahme war die allerherzlichste. Man brachte ihn in einen Unterstand, gab ihm Zigaretten, Kognak, Kaffee und Suppe. Man hänselte ihn ein wenig, aber das kümmerte den Schwaben nicht, denn er verstand keine Silbe. Es war auch nicht böse gemeint, das konnte er sehen, alle lachten vergnügt. Ein Offizier fragte ihn, wie der Kommandeur seines Regiments hieß? Der Schwabe weigerte sich, es zu sagen. „Na schön,“ sagte der Offizier, „ein rechter Soldat verrät nichts, hier, rauchen Sie!“ Dem Schwaben ging es, wie gesagt, gut. Fußtritte und Faustschläge sind auf jeden Fall nicht die Regel.

„Waren Sie früher Soldat, oder wurden Sie erst im Laufe des Krieges ausgebildet?“ frage ich den Franzosen und reiche ihm meine Zigaretten hin.

„Danke!“ Er verbeugt sich leicht und sein warmer Blick trifft mich. Seine Hand, hart und derb von Gewehr und Spaten, zittert heftig. Mit der Wollust des Rauchers zieht er den Rauch in die Lunge und stößt ihn durch Mund und Nase heraus. „Ich wurde im Januar eingezogen, ich bin vierunddreißig Jahre alt. An der Front war ich vier Wochen. Soldat war ich nie gewesen, nein. Ich war froh, daß man mich seinerzeit nicht tauglich fand. Offen gestanden bin ich nie ein Freund von allem gewesen, was Militär heißt. Ich bin Sozialist.“

„Sie sind Sozialist?“

„Ja, ich schreibe für sozialistische Zeitungen und Revuen.“

„Vielleicht können Sie mir dann die Stellung erklären, die Ihre Kameraden und Parteifreunde diesem Kriege gegenüber einnehmen?“