Die Gefangenen marschieren durch Souchez. Die Überlebenden aus dem Kirchhof! Auch das Geburtstagskind ist darunter, er hat Glück gehabt, diesen Geburtstag zu überleben. Schwerverletzt liegt der französische Kapitän auf der Bahre. Noch sind sie keineswegs in Sicherheit, denn die französischen Granaten fegen in das Dorf. Aber sie hoffen wieder. Die Sonne geht auf.
Ich treffe den ernsten Oberst wieder. Die Gefangenen stehen in Reih und Glied. Er mustert sie schweigend. Er spricht kein Wort. Wozu? Ich trete an ihn heran, grüße und beglückwünsche ihn zu seinem Erfolg.
Er nickt. Ein höfliches Lächeln. Aber sofort ist sein starkes Gesicht wieder ernst und voll schwerer Gedanken. Viele seiner Söhne, für die er sorgte wie ein Vater, sind nicht wiedergekommen, zwei seiner tapferen Kompaniechefs sind gefallen!
Die Überlebenden aus dem Kirchhof von Souchez
Im Juli
Die Tür öffnet sich und herein tritt ein französischer Unteroffizier in blaugrauer Uniform. Er klappt die Stiefel zusammen und legt salutierend die Hand an die Mütze. Ein junger Mann von vier-, fünfundzwanzig Jahren, mit blondem Schnurrbärtchen und blauen, blanken, flachen Augen, schlank und geschmeidig. Seine Haltung ist nicht preußisch stramm, nein, aber sie ist militärisch ordentlich und drückt ebensoviel Selbstachtung wie Respekt vor dem Offizier aus, der das Verhör leitet. Seine Kleidung ist sauber, und niemand käme auf den Gedanken, daß er aus einem zusammengeschossenen Graben kommt. Er gehört zu jener Klasse von Pedanten, die immerzu bürsten und kein Stäubchen sehen können, ohne krank zu werden.
Hinter ihm tritt ein gewöhnlicher Soldat ins Zimmer, gut ausgepolstert mit Wollsachen, dunkeläugig, mit schwarzen Haaren und einem dünnen schwarzen Bart ums Kinn. Auch er grüßt, aber er nimmt es nicht so genau. Er hat Fett angesetzt in den Gräben, blickt gutmütig und gleichgültig umher, und ich wette, daß er zum weitverbreiteten französischen Orden der „Jemenfoutisten“ gehört.
„Nehmen Sie, bitte, Platz!“ sagt der Offizier und ladet die Gefangenen höflich ein, sich zu setzen. „Sie wurden beide im Kirchhof gefangen genommen?“
„Ja, mein Offizier.“
„Der Kampf war sehr erbittert?“