Man trieb Sappen vor und kam einander näher. Die Wurfminen flogen von Graben zu Graben. Man trieb Stollen vor, unter der Erde, wir und er. Die Sprengungen rissen die Bäume in die Luft. Es wurde immer lichter.

Als ich die Höhe 285 sah, war sie ganz kahl. Sie ist so groß, daß eine kleine Stadt darauf Platz hätte. Kein grüner Fleck. Zerschmetterte und zerfetzte Bäume, das ist alles, was geblieben ist. Ein Schutthaufe, auf den ein Wolkenbruch niederprasselte und Rinnen, Furchen, Gräben und krumme Schluchten wühlte. So sah sie aus.

Sie bot große Vorteile. Sie beherrschte einen Teil der Höhenzüge ringsum, das Tal gegen Boureuille; er konnte unsre Straßen einsehen, unsre Zufuhr unter Feuer nehmen. Das war keineswegs angenehm. Die Höhe 285 mit La Fille morte dahinter war, klar ausgedrückt, ein Dorn, der uns im Fleisch saß. Der Dorn mußte weg! Der Franzose mußte hinter die Höhe geworfen werden, weil er dann nichts mehr sehen konnte.

Es mußte sein und wurde vollbracht! Am 13. Juli.

Es war eine Höllenarbeit, denn er hatte sich eine vollkommene unterirdische Festung gebaut, in der er bombensicher eingedeckt lag. Nur bei gewissenhaftester Vorbereitung konnte der Sturm gelingen.

Tagelang vorher schleppten die Pioniere die zentnerschweren Wurfminen durch die engen Gräben in die Depots. Tausende von Handgranaten wurden herangeschafft, Munition aller Art. Die unterirdischen Gänge wurden ausgebaut, so daß man nur die Decke einzustoßen brauchte, und man war im Freien. Jeder Mann kannte seinen Platz und wußte, wohin er den Fuß zu setzen hatte, sobald er den Graben verließ. Im Kopfe hatte jeder Mann den Sturm schon vollendet, bevor die erste Granate krepierte. Er wußte, in welchen Graben er zu gehen hatte, wenn er verwundet wurde. Er wußte, durch welchen Graben die Gefangenen geführt werden sollten. Alles war vorher festgesetzt und besprochen. Die Reserven genau instruiert. Die Gräben sind ein Labyrinth, und nichts ist leichter, als sich darin zu verlaufen.

Noch eines: die vorderste Sturmkolonne muß formiert werden. Freiwillige vor! Da melden sich alle. Man verstehe recht: nach einem Jahr Krieg, nach Monaten von Argonnenkrieg, Monaten von Mühen, Entbehrungen und Gefahren! Woher schöpfen sie, die Grauen, diese Kraft? frage ich. Es mußte gelost werden.

Nun also gut, so war es, als der 13. tagte.

Die erste Granate kommt über den morgengrauen Wald und schlägt krachend auf der Höhe ein. Das ist das Signal. Die Geschütze, da hinten, stehen schon bereit, ausgerichtet, fertig zum Schuß. Hauptleute und Kanoniere sind auf dem Posten. Los! Der Wald ist ein einziges Donnern. Die Kanonen geben Schnellfeuer, ein Maschinengewehrfeuer von Granaten wirbelt auf die Stellungen des Feindes nieder. Die schweren Minenhunde rauschen durch den Morgen. Die Höhe ist eine einzige Staub- und Rauchwolke. Die Grauen stecken die Köpfe aus den Gräben, um die rauchende Hölle drüben zu sehen. Die Geschütze rasen.

Der Feind bleibt nicht müßig und antwortet mit wütendem Feuer.