In den Gräben ist man schon munter. Die Gewehre peitschen, und die Spitzkugeln fahren summend und singend über uns dahin. Die Engländer haben die Morgenarbeit aufgenommen und knallen, um vollends wach zu werden. Sie passen verflucht auf. Sobald man die Mütze über die Sandsäcke streckt, kommt eine Kugel herüber. Draußen ist nichts zu sehen: Drahtverhaue, eine verwilderte Wiese, ein Erdwall, hinter dem es sich zuweilen bewegt. Das ist alles.

Unsere Grauen sind auf dem Posten. Die runde Mütze in die Stirn gedrückt, stehen sie und lugen durch Schießscharten und Spiegelapparate. Sie rücken die Gewehre, tasten hin und her, setzen ab, zielen von neuem. Plötzlich erstarrt das Gesicht auf eine Sekunde: Schuß! Sie spaßen nicht, o nein, sie nehmen es verdammt ernst und gewissenhaft. Sie sind ganz bei der Sache. Alle paar Schritte steht ein Grauer und lauert.

So stehen sie von der Nordsee angefangen bis hinunter zur Schweiz. So stehen Hunderttausende, Tag und Nacht, seit zehn Monaten, jetzt und in dieser Sekunde. So stehen sie, bis die tausendste Kugel kommt und sie in den Graben wirft. Wer sie gesehen hat, die Treuen, muß immer an sie denken: wie sie stehen, lauern, zielen, feuern, unermüdlich.

Eine unheimliche Spannung herrscht zwischen den beiden Labyrinthen der Gräben. Wie zwischen zwei Gewitterwolken. Sie verdichtet sich, die Kugel blitzt hinüber, herüber.

Die andern frühstücken. Sie trinken Kaffee aus Blechbüchsen, streichen sich Butterbrote, schneiden Fleisch aus den Dosen. Über ihren Köpfen die Ballen von Sandsäcken, die Maschinengewehre, das Gespinst der raschen Kugeln. Andre liegen in ihren kleinen Nischen, die schmutzigen Stiefel unter den Mantel gezogen, und schnarchen. Sie liegen schlafend mitten im Graben, und man muß über sie hinwegklettern. Sind sie tot, leben sie? Man kann es nicht sagen.

Ein Teil der Gräben ist zusammengetrommelt und wird instand gesetzt. Die Sandsäcke sind durcheinandergeschleudert, aufgeschlitzt und gelb von den Schwefelgranaten, die der Engländer feuert. Ich greife rasch nach einer Zigarette. Hier stinkt es grauenvoll! Der unsagbare Gestank wirft mich nahezu um. Schon beim Gedanken an diesen Gestank wird mir übel. Es ist der penetrante Geruch von Raubtieren, verhundertfacht, vermischt mit allerlei Unsagbarem und Scheußlichem, es ist die Pest, es ist der verwesende Mensch. Die Engländer faulen hier!

Arme Schufte, für ein paar Schillinge die Woche –. French jagte sie hier in den Tod.

Der Engländer schont seine Regimenter. Er spart Soldaten. Gott weiß, ob er sie nicht einmal gut gebrauchen kann, so gegen den Schluß zu, wenn der Partner genug hat? Dann ist es immer eine herrliche Sache, ein paar frische und nagelneue Divisionen an der Hand zu haben, die im Hintergrund in Paradestellung verharren, während man mit dem Partner in aller Höflichkeit über die Bedingungen verhandelt. Aber von Zeit zu Zeit ist es unbedingt notwendig, so zu tun, als mache man ernsthaft mit. Dann opfert French ein paar Regimenter, um den Franzosen seine Verlustlisten unter die Nase halten zu können. In erster Linie gibt er den Kanadiern, Irländern und Indern Gelegenheit, Beweise ihrer Loyalität zu geben. Siehe Ypern, Neuve Chapelle. Wird es Ernst, so zieht er gern seine englischen Regimenter aus den Gräben und wirft Überseeische und Farbige nach vorn. Man muß zugeben, er versteht seine Sache! Aber sie allein können ja nicht alle schwere Arbeit verrichten, das ist natürlich.

Als die Franzosen sich bei Arras und Souchez verbluteten, konnte er nicht ganz müßig bleiben. Es galt Truppen und Artillerie abzuziehen. Er entschloß sich, anzugreifen, und es muß gesagt werden, er meinte es diesmal bitter ernst! Trommelfeuer, Angriff auf Angriff. Erbitterte Grabenkämpfe. Die Toten liegen in Haufen vor unsern Drähten. Unsere Grauen wanken und weichen nicht.

Gegen die Gräben, durch die ich mich jetzt winde, gegen die sogenannte Trichterstellung, warf er drei Divisionen. Er faßt Fuß, aber eine Stunde später fliegt er wieder hinaus. Der Angriff war furchtbar, er wurde trotz der Übermacht abgewiesen. So geht es nicht.