Er versucht es von neuem. Er versucht es ohne Artillerievorbereitung. Er will uns überraschen. Seine Sturmkolonnen fluten heran. Aber die Grauen sind auf dem Posten! Innerhalb von 30 Sekunden (dreißig Sekunden) legt unsere Artillerie einen Feuerriegel vor die Gräben, daß den Engländern Hören und Sehen vergeht. Sie müssen zurück, ungeheuer sind ihre Verluste.

Es ging auch so nicht. Nicht einen Meter haben sie gewonnen.

Sie haben genug, sie haben den Franzosen gezeigt, daß sie es ernst meinten – aber es ging nicht. Sie geben es auf. Aber sie werden die Gräben von Givenchy und Festubert nicht vergessen. –

Nun liegen sie in den Massengräbern, die unsere Grauen schaufelten, und verwesen. Hier sind einige Wassertümpel voll einer gelben dicken Jauche, und auch diese Tümpel strömen denselben furchtbaren Gestank aus. Niemand wagt zu denken, wie es da unten aussieht! – Unsere Grauen aber frühstücken, schneiden Fleisch aus den Büchsen und schmieren sich dicke Butterbrote. An alles gewöhnt sich der Mensch.

Wir überschreiten auf einer Planke die gelbe Tümpelkette. Hier gibt es keine Deckung, und so rasch es geht huschen wir hinüber. Einer hinter dem andern. Aber die Schufte haben uns doch gesehen. Ein paar Minuten sind wir in der Sappe unterwegs, da weint es in der Luft und die Granate schlägt krachend ein. Wir machen uns aus dem Staub. Granate um Granate segelt daher. Vorsichtig lugen wir aus dem Graben und sehen die Einschläge rauchen. Weitab! Aber plötzlich kommen sie wieder näher und schließlich müssen wir die Beine strecken. –

Punkt fünf Uhr dreißig Minuten, auf die Sekunde, nehmen die 21er das Feuer auf. Die Granate winselt hoch über uns durch die Luft. Drei Sekunden Stille, dann ein Krachen, als stürze ein Haus aus Eisen zusammen. Der Boden bebt unter unsern Füßen. Schon kommt die nächste Granate angeweint. Sie braucht eine unendlich lange Zeit, bis sie ihre Bahn durchfegt. Einschlag auf Einschlag! Es ist wie ein schweres Gewitter mit harten Donnerschlägen. Der Engländer antwortet. Er sucht aufgeregt und wütend unsere Haubitzen. Geradeaus, am Horizont, stehen die Rauchfahnen seiner Granaten, schwarz und schiefergrau.

Wir sitzen im Bataillonsunterstand und trinken Kaffee. Die Granaten weinen über uns hin. Die schweren Geschütze erschüttern die Luft mit ihrem Gebrumm.

„Fragen Sie telephonisch an, wie es steht.“

Das Telephon tutet. Von den Gräben kommt die Antwort zurück: „Der Erfolg ist überraschend günstig.“

Es ist ein Morgen wie jeder andere. Ein Duell zwischen ein paar Batterien, nichts sonst. Die Berichte bringen nicht eine Silbe darüber.