„Noch fünf Minuten!“

In fünf Minuten ist es acht. Da soll es losgehen.

3

Punkt acht Uhr ging es los.

Mit der Sekunde feuerte ein Geschütz schweren Kalibers, und die Argonnen krachten. Die Wälder horchten auf. Das schwere Geschütz gab eine Salve krachender Schüsse ab. Pause. Dann begann es von allen Seiten. Ja! Die Kanoniere standen schon überall bereit, glühend vor Kampfbegierde. Die Granaten steckten schon in den Rohren, die Geschütze waren gerichtet und nun rissen sie ab! Die Hölle tobte, krachte, lachte, rasselte. Es fauchte, zischte, heulte in der Luft, es pochte, stampfte, rumpelte und knurrte. Zuweilen klang es, als ob ein Riese, groß wie ein Berg, mit einem Hammer auf eine Stahlwand losschlage, wütend und betrunken. Die Kanoniere, ja diese Kanoniere mußten arbeiten wie verrückte Teufel! Die Granaten mußten von selbst in die heißen Rohre springen, eine hinter der andern, Schuß, laden, Schuß, laden. Der Schweiß läuft ihnen übers Gesicht, aber so lieben sie es. Immer hinaus, was die Rohre hergeben können.

Links oben von mir, an meinem linken Ohr, feuert mit harten, zornigen Schlägen eine schwere Batterie, daß der Boden zittert. Die Geschosse rauschen und klirren durch die Luft wie ein Eisenbahnzug, der über eine Eisenbahnbrücke hämmert. Rechts oben, an meinem rechten Ohr, knallt eine Batterie, und die Granaten gehen mit einem Zischen hinaus, wie wenn eine Lokomotive mit Überdampf die Ventile löst. Dazu das Krachen und Knattern der Einschläge, das wir deutlich hören, denn wir sind ja nicht weit davon entfernt. Es ist ein Rauschen in der Luft, wie wenn ein Zug ein Tal, eine Schlucht passiert. Zuweilen kommen Schreie und Winseln von oben, wie wenn Menschen von Dämonen entführt würden und verzweifelt klagten.

Das ist der Anfang. Drei Stunden, drei volle Stunden, bis elf Uhr, soll dieses Feuer dauern!

Es ist nur die Eröffnung. Das Schachspiel, das mir der Jäger zu Pferde gestern abend auf dem Papier erklärte, es setzt sich in die Wirklichkeit um. Mudra spielt! Es ist die Eröffnung Mudras, und bei Gott, ich möchte nicht mit ihm diese Partie spielen!

Ich sehe auf die Uhr. Es ist acht Uhr zwölf Minuten!

Alles ist auf die Straße gelaufen, wenn man so sagen kann. Die Straße ist ein erbärmlicher Knüppelweg im Walde. Nebenan liegt der Verbandplatz. Ärzte, Krankenträger, Ordonnanzen, Feldbäcker und Chauffeure, alles steht auf der Straße, um sich das Feuer anzuhören und anzusehen, obschon es nichts zu sehen gibt. Es rauscht und schleift in der Luft, das ist alles. Alle sind in erregter und begeisterter Stimmung. (Niemand denkt an Marie-Thérèse!!) Ich weiß recht gut, daß eine Beethovensche Symphonie etwas anderes ist, aber das Feuer hat etwas Berauschendes an sich! Es ist die Musik feuerspeiender Berge und Urgewitter.