Sie machen auch Witze.

Die Offiziere kriechen aus ihren Unterständen und begrüßen uns. Hauptleute, Leutnants. Sie sind zuversichtlich und frisch. Sie erteilen uns Ratschläge, Warnungen, sie! Ein paar böse Ecken, wo sie Handgranaten schmeißen, Minen. Ach, und ein paar Stunden später waren einige der prächtigen Leute schon tot!

Wir gehen weiter. Minen krachen wie einstürzende Häuser. Ein Grauer schaufelt; eine Mine hat ihm Erde in den Graben geworfen. Plötzlich ist der Graben zugeschüttet. Ein paar Leute graben. „Was gibt es?“ – „Unsere Offiziere sind eben verschüttet worden!“ – Mit Schaudern sah ich es, mit Schaudern spreche ich davon, aber es ist Krieg, das darf man nicht vergessen. Die Mine hatte den Graben vollkommen eingedeckt. Ein Armstumpen ohne Hand ragte aus der Erde. Um die Ecke – – nein! Neben mir kauerte mit angezogenen Knien ein Toter, sein Kopf hing auf die Brust herab. Er sah nicht aus wie ein toter Mensch. Über und über mit grauer Erde eingestäubt, Kopf, Gesicht und Kleider, erschien er wie die Statue eines Schläfers mit angezogenen Knien, die man ausgegraben hatte. Sie alle, zwei Offiziere und vier oder fünf Mann, waren gefallen vor dem Sturm beim alltäglichen Morgenkampf. Ehre euch und Ehre dir, kleiner grauer stiller Schläfer!

„Achtung!“ Eine Mine kam durch die Luft und schlug hinter uns krachend ein. Der Jäger zu Pferd, dessen Augen so grün sind wie seine Uniform, prüfte, ob wir über den verschütteten Graben wegrutschen könnten. Aber es war unmöglich. Dreißig Meter querab lauerten die französischen Gewehre.

Wir mußten zurück. Aber nun kamen die Minen, eine nach der anderen. Bald mußten wir rechts, bald links ausweichen. Eine schlug vor uns ein, das heißt nicht in den Graben, sondern draußen, ganz nahe, aber sie explodierte nicht. In solchen Momenten ist man ganz ruhig. Man zittert nicht, und das Herz schlägt nicht rascher. Man ist längst über die Zone der Angst hinaus. Man weiß, daß man vollkommen in der Hand des Schicksals ist, und damit fertig.

Hoch oben durch das Blau des Himmels zieht die Wurfmine. Sie erscheint nicht größer als ein Habicht. Deutlich sind ihre Flügel, ihre Schwingen zu erkennen, die ihr den ruhigen Flug verleihen. Sie rast eilig dahin, in herrlicher Kurve, und sieht wundervoll aus. Wir stehen und folgen ihr mit den Blicken. Plötzlich sticht sie wie ein Habicht herab, wird mit jeder Sekunde größer, häßlicher und – gefährlicher. Achtung!

Der Teufel hat diese Minen erfunden.

Auf dem Heimweg in der Sappe begegnen wir wieder den Suppenträgern und zwängen uns an den Kesseln vorbei. Sobald sie den dumpfen, unscheinbaren Abschuß des Minenwerfers hören, lugen sie aus. Züge von Feldgrauen schieben sich an uns vorüber, Gewehre, Handgranaten, Gasmasken. Einzelne schleppen große Stahlschilde. Einer trägt auf dem Gewehr ein paar Feldpostpakete. Die Gräben werden aufgefüllt. Immer näher kommt die Stunde –

Wir überqueren das erstarrte Meer aus Lehmwogen. Das Morgenfeuer wird ruhiger.

Der Jäger zu Pferde zieht die Uhr.