Da eilt ein französischer Hauptmann aus dem Dorf hervor. Er hat sich verspätet. Sein Kopf ist verbunden, ich habe ihn gestern nicht gesehen. Er geht eilig auf den Jäger zu Pferde zu und schüttelt ihm die Hand, erschüttert, gebrochen, verzweifelt, wie man in schwerem Leid einem Freund die Hand schüttelt, sicher seines Verstehens, Vertrauens, Glaubens. Es gibt Beziehungen zwischen den Völkern, die alle Diplomatie, mangelhafte und perfide, nicht zerstören kann.

„Trösten Sie sich,“ sagt der Jäger zu Pferde, „es ist der Krieg!“

Der Hauptmann antwortet nichts, er schüttelt gebrochen den verbundenen Kopf, und mit verzweifelten großen Schritten stürzt er seiner Truppe nach. –

Die Schlacht ist zu Ende, die Schlacht ist gewonnen. Zweitausend Gefangene, große Beute, auf einer Front von zwei Kilometern der Feind zurückgeworfen. Es ist ein großer Erfolg. Nehmt den Hut ab vor den Argonnenkämpfern!

Aber wie erstaunt war ich, im französischen Bericht zu lesen, daß es wieder einmal nichts war. Die Armee des Kronprinzen hatte überhaupt keinen Erfolg errungen. Zwei mißglückte Angriffe – unser Bericht enthalte phantastische Zahlen, es sei klug, diese Zahlen in derartigen Fällen immer durch zehn zu dividieren. – –

Großes Frankreich, dein Erbe ist in bedenkliche Hände geraten. Dein Geist ist bei deinen Erben zur Phrase geworden und die Phrase zur Lüge.

Druck der Spamerschen Buchdruckerei in Leipzig

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Werke von Bernhard Kellermann