Nun kommen die Franzosen an die Reihe. Sie haben die ganze Zeit aufmerksam zugehört, die Ohren gespitzt, auf jede Bewegung geachtet, damit ihnen ja nichts entgehe; verstanden haben sie kein Wort. Sie wußten, daß auch ihre Zeit kommen würde. Höflich und gefällig erwidern sie den Gruß. Selbst der Landwirt aus der Gegend von Rouen nickt mit dem dicken rechteckigen Schädel, obwohl er Schmerzen hat und fiebert. Mich interessiert mehr als alle andern der Greis an seiner Seite, ein schmächtiger Mann mit ausgeprägt französischen Zügen. Sein weißgraues Haar zieht mich an und seine lebendigen, fröhlichen Augen. Er stammt aus der Bretagne, und da ich mich dort auskenne, so haben wir gleich ein Thema, um bekannt zu werden.
„Wann wurden Sie verwundet?“ frage ich. „Im Herbst.“ Er hebt die Decke in die Höhe, und nun sehe ich, daß ihm das linke Bein bis zur Hüfte amputiert ist.
„Wie alt sind Sie?“
„Siebenunddreißig Jahre, mein Herr.“
Um meine Überraschung zu verbergen frage ich rasch nach dem Alter des Landwirts aus Rouen. Er ist zwei Jahre jünger.
„Sie fühlen sich jetzt gesund?“ „Sehr wohl!“ Und der Mann aus der Bretagne sprudelt seine Geschichte heraus, ungeheuer lebhaft, mit vielen plastischen Gesten. „Ja, man muß Glück haben, mein Herr, das ist alles. Es war im Herbst, hier oben in Flandern. Wir mußten zurück, die Deutschen waren hinter uns her. O, lala, wir hatten es eilig! Da – eine Granate zerreißt mir den Fuß. Ich verkrieche mich in ein Loch in der Erde und warte. Die Kameraden sind fort, alle weg, niemand zu sehen. Ich warte, immer in meinem Loch. Zweiunddreißig Stunden liege ich da, aber nun hören Sie! Plötzlich Schritte. Ich spitze aus meinem Loch hinaus. Ein Sergeant vom Roten Kreuz. Ich rufe, er hört. Ich strecke die Arme hoch – so – er kommt heran und sagt: ‚Rühren Sie sich nicht!‘ Zwei Stunden später war ich im Lazarett. Man muß Glück haben.“
Fröhlich und heiter ist der Mann aus der Bretagne. Er hat dem Tod ein Bein hingeworfen wie einem Haifisch und triumphiert über den Handel. Im Krieg wird der Mensch bescheiden.
Unten im Garten des Klosters treffe ich einen Scheich, mit Turban, würdigem Bart, elfenbeinernem Gesicht und elfenbeinernen Händen. Er bittet mich um eine Zigarette. Vielleicht hat er ein Dutzend Frauen zu Hause, vielleicht ist es Sünde, daß er etwas aus meinen Händen entgegennimmt, vielleicht verliert er seine Kaste. Einerlei, es ist nun doch so weit mit ihm gekommen, daß er bettelt.
Ein Flieger über Brügge
Im Mai