„Wir wollen ihn fragen —“ Aber ja! Sie wollten fragen, welche die schönste von ihnen sei.
„Welche ist die schönste von uns allen,“ sagte Klara Sinding, jene, die das kleine Mal auf der Wange hatte.
„Die schönste?“ Grau blies den Rauch durch die Lippen. Das sei eine sehr schwierige Frage. Er errötete ein wenig, denn alle blickten ihn an und ihre Gesichter sahen aus, als ob sie auf eine Gelegenheit warteten, herauszuplatzen mit Gelächter. Er sah eine nach der anderen an und fügte hinzu: „Das ist schwer zu sagen, denn ich kenne ja die Damen kaum. Aber Sie meinen — so nach dem ersten Blick zu urteilen — aber auch das ist schwer, denn sobald ich glaube jene Dame sei die schönste, springt mir etwas im Gesichte einer andern Dame in die Augen — ja, es ist unmöglich.“ Er blickte zuerst das kleine häßliche Mädchen mit der stumpfen Nase und den großen Ohren an und sagte: „Bei Ihnen, mein Fräulein, da sind es die Augen, es sind die schönsten silbergrauen Augen, die ich in meinem ganzen Leben gesehen habe —“ das Mädchen errötete und lachte allen verlegen ins Gesicht — „bei Ihnen, mein Fräulein, sind es vor allem die Wangen, die so zitternd weich sind und von eigentümlichen Rot — bei Ihnen sind es die Brauen und die Schläfen —“
Die Mädchen lachten und schrien durcheinander und machten solchen Lärm, daß alles nach der Ecke blickte. Nein, das sei ja keine Antwort — aber nein — wir sollten ihn fragen wer die klügste von uns allen ist —! Sie fragten.
„Die klügste? Aber, bitte, meine Damen, das ist ja noch schwerer!“ Grau lachte. „Wenn ich aber nun etwas Bestimmtes sagen soll, so erkläre ich dieses Fräulein hier für die klügste von allen.“ Es war das kleine häßliche Mädchen. Gelächter. Die Damen klatschten in die Hände. Das kleine häßliche Mädchen sagte mit tiefer Stimme: „Ich war stets die Dümmste im Institut!“ Aber sie lächelte.
Grau lächelte ebenfalls. „Was sollte das beweisen? Ich werde den Damen eine Frage vorlegen und wir werden es gleich sehen. Hören Sie zu —“
Aber ja! Das würde ja schrecklich interessant werden.
„Wie hübsch er plaudert!“ flüsterte das hochaufgeschossene Mädchen der Jüdin ins Ohr. Die Jüdin ließ ihre Augen funkeln. „Ja,“ wisperte sie, „er ist so jung und schön. Siehst du, wie schüchtern er ist — er zittert immer ein wenig.“ „Pst, er hört dich.“
Die Mädchen brachen in heiteres Gelächter aus. Klara Sinding also würde eine Nadel nehmen und in die Bohnen stechen. „Es ist aber verboten, die Bohnen irgendwie mit der Hand oder sonst etwas zu berühren.“ Die jungen Damen öffneten die Münder und blickten einander verdutzt an: Ja, große Güte, da liegen nun zwölf Bohnen auf dem Tische, zwölf weiße Bohnen, alle ganz gleich, und unter ihnen ist eine Bohne aus Elfenbein, ganz wie die andern, wie könnte man sie doch herausfinden?
„Nun werden wir es gleich sehen, wer die Klügste ist!“ sagte Grau und lachte. Die Damen dachten angestrengt nach. Sie brachten die abenteuerlichsten Projekte vor, aber es stellte sich immer heraus, daß sie unbrauchbar waren.