Dann zwängte er sich wieder zwischen den Masken hindurch und spähte in jeden Winkel. Vielleicht doch unter den Tanzenden? Er stand an der Türe des Tanzsaales und blickte aufmerksam in jedes Gesicht.
Da berührte jemand leise seine Schulter und Adele stand vor ihm.
Zweites Kapitel
In purpurroter Seide stand sie da. Mächtige, weitausgreifende Chrysanthemen waren in lackroter Farbe auf das Kostüm gestickt. Ihr Hals war frei, er war lang und weiß und ganz besonders nackt, die Linien ihrer weißen Arme verschwammen in den weiten hängenden Ärmeln und ihre schmalen Hände waren besät mit Ringen, sie waren gleichsam gepanzert mit flimmernden Steinen. Ihre schwarzen Haare waren zu einer Art lebendigem Helm geflochten, durch den ein silberner Pfeil sauste. Große gelbe Rosen schmückten das Haar, die Schulter, den Gürtel. Sie lächelte. Ihre Zähne waren so weiß, ihre Lippen so rot. Aber ihre Augen waren hell und tief wie zwei Quellen, auf deren Grund Licht brannte.
Ihr Anblick verwirrte ihn. Er lächelte. Er sah sie an und eine Weile ruhten ihre Blicke tief ineinander. Grau errötete langsam. Adele lächelte.
„Ich gratuliere Ihnen herzlich, mein Freund!“ sagte sie dann.
„Danke!“ Adeles Hand war brennend heiß.
„Susanna wird wohl sehr glücklich sein. War sie nicht ein wenig überrascht, als Sie um ihre Hand anhielten?“
Sie sei einigermaßen überrascht gewesen, ja. Es habe einen langen Kampf gekostet, bis sie einwilligte.
Adele blickte ihn mit einem eigentümlichen Blicke an. Sie schüttelte unmerklich den Kopf, dann öffnete sie die Lippen zu einem schnellen Lächeln. „Heute ist Fasching!“ sagte sie. „Kommen Sie, wir wollen fröhlich sein. Ich bin in solch ausgezeichneter Stimmung. Sie sollen mir etwas erzählen, wollen Sie? Sehen Sie den Kiosk dort? Dort bin ich engagiert, wir machen Geld. Oh, wie heiß es ist! Und ich habe auch so viel Sekt getrunken.“ Sie preßte die Rücken der Hände an die langen flächigen Wangen und kühlte sie mit den Steinen. „Erzählen Sie mir Ihr schönstes Erlebnis, wir werden dabei umhergehen.“