Der Zug verlangsamte die Fahrt und schließlich schlief er ein und regte sich nicht mehr. Als man hinaus sah, fand es sich, daß man weit draußen vor der Station stehen geblieben war. Man war angekommen. Der erste, der ausstieg, war der Herr im Zylinder, alle ließen ihm den Vortritt. Zuletzt stieg der Fremde mit dem gestickten Reisesack aus.
Es war düster und kalt; nur wenige Laternen brannten in der kleinen Station, die ganz im Schnee versank.
Drittes Kapitel
Der Fremde stieg aus und er wäre beinahe in den großen Filzhut gestiegen, den der Lehrer vor ihm bis zur Erde schwang. Er lachte laut und fröhlich.
„Sie konnten sich wohl vorstellen, daß ich nicht verschwinden würde, ohne Ihnen zuvor unter vier Augen gedankt zu haben!“ sagte er und half dem Fremden beim Aussteigen. Das heißt, er griff nach dem rechten, dem linken Arm, der Achselhöhle des Fremden, ohne ihn jedoch zu berühren. „Erlauben Sie Ihre Tasche — bitte — nur bis Sie richtig auf den Beinen sind.“
Der Fremde lächelte fein und gütig. „Danke, ganz und gar unnötig,“ sagte er. Er hatte schöne Augen, denn sie waren golden. Ihr klarer und leuchtender Blick machte den Lehrer einen Moment lang betroffen. Der Fremde sprach leise, als ob er sehr müde wäre. Er lächelte und sah den Lehrer an, wie wenn er ihn schon Jahr und Tag kennte. Der Lehrer betrachtete ihn eine Weile, er bog sogar den Kopf zurück, um ihn genau ansehen zu können; dann stürzte er sich wieder auf die Reisetasche. Er strömte über von Freundlichkeit und Diensteifer.
„Erlauben Sie, nur bis Sie über die Geleise sind!“
„Bitte, oh, ich kann ja selbst —“ sagte der junge Mann und zog mit einer geradezu lächerlichen Besorgnis die Tasche an sich, und verbeugte sich leicht gegen den Lehrer. Er blickte sich um. Er sah die Leute an, die über den beschneiten Bahnsteig eilten, er sah in die Höhe, nach rechts, nach links, er sog die Luft ein. Jede Kleinigkeit schien ihn zu interessieren.
Aber der Lehrer verneigte sich abermals, zog den Hut und ergriff endlich die Tasche. „Ich betrachte es als eine Auszeichnung, mein Herr!“ sagte er. „Welche Kälte, nicht wahr? Eine verfluchte, angenehme Kälte, bei allen Teufeln! — Sie haben mir einen großen Dienst erwiesen,“ fuhr er fort, indem er unvermittelt seinem beweglichen, von vielen Falten durchzogenen Gesicht einen ernsten Ausdruck gab. „Das war eine echte Edelmannstat!“ Seine kindlichen Augen leuchteten.
Der Fremde sah umher. „Aber die Sache ist ja nicht der Rede wert,“ sagte er.