In der Türe kamen sie ins Gedränge und Adele blickte in Graus Augen und sagte unvermutet: „Sagen Sie mir eines, lieben Sie Susanna wirklich?“
Grau errötete leicht. „Wie?“ Dann blickte er Adele erstaunt an. „Gewiß liebe ich Susanna aufrichtig,“ erwiderte er.
Adele lächelte; sie schwieg. Sie streifte Grau wieder mit einem Blicke, dann raffte sie den Fächer auf und bewegte ihn in der glitzernden Hand. Sie blickte stolz über alle Köpfe hinweg. Ihr Blick, ihr Gang, ihr Lächeln, alles hatte sich verändert.
„Wollen Sie nun den Traum zu Ende hören?“ fragte Grau.
„Nein, nicht jetzt,“ erwiderte Adele höflich. Aber sie sah Grau nicht an. „Meine Mutter würde sich so sehr freuen, Sie kennen zu lernen,“ fügte sie hinzu, „darf ich Sie bemühen?“ Auch ihre Stimme hatte sich verändert.
Grau folgte ihr und dachte darüber nach, was der Anlaß zu ihrer Verstimmung sein könnte.
Drittes Kapitel
Adele wurde von den Herren, die die Sektbude belagerten, mit lautem Hurra begrüßt und mit schmeichelhaften Vorwürfen über ihr langes Wegbleiben überhäuft.
„Hoch, hoch, hurra!“ schrieen die Herren und schwenkten die Kelche. Adele hatte Mühe sich den Weg in den Kiosk zu bahnen.
Im Kiosk bedienten die feinsten Damen der Stadt. Die Frau des Bezirksamtmannes, Frau Häberlein mit dem porzellanartigen Teint, eine hohe Blondine, die etwas schielte und eine dicke Jüdin mit weißem mächtigen Busen. Die Damen hatten alle Hände voll zu tun, Flaschen zu entkorken, die Kelche zu füllen, zu trinken. Hier herrschte eine ausgelassene, fast wilde Stimmung und die Herren waren alle angeheitert.