Grau lächelte. „Ich sagte schon, daß das alles ganz groß ist,“ sagte er, „all diese Erfindungen, von denen Sie sprechen, wunderbar! Ich lege Ihnen sogar noch einen tieferen Sinn bei — sie sind in gewissem Sinne Offenbarungen — Verzeihung, ich spreche im vollen Ernste, meine Herren — aber —“
„Aber?“
„— trotz ihrer Größe und Wichtigkeit und Tiefe sind sie alle zusammen noch nicht imstande eine Kultur zu bilden. So groß sie sind, sind sie doch kein wesentlicher kultureller Faktor. Ich nehme an, ja, zum Beispiel, ein einziger Psalm von Salomo ist weitaus mehr wert als alle Fernsprechapparate und Dynamomaschinen zusammen —“
„Allen schuldigen Respekt vor Ihrem Salomo, aber —“
„Wir können ja auch sagen: Ein Gedicht von Heine, eine Kantate von Bach, ein Beethovenscher Akkord, ein Gedanke von Plato oder Goethe, wie Sie wollen.“
„Pardon,“ unterbrach ihn der Arzt, „glauben Herr Grau vielleicht, daß ein Goethescher Gedanke, um nur eines herauszugreifen, kulturell höher zu werten ist als zum Beispiel die Erfindung des Serums gegen die Tollwut oder die Entdeckung des Cholerabazillus?“
Grau sah ihn erstaunt an. „Aber natürlich!“ sagte er lächelnd. „Wir sprechen ja von Kulturwerten, nicht wahr?“
Hm!
Aber mit einem Serum könne man doch Tausende von Menschen heilen und ihr Leben retten?
Grau lächelte. „Haben Sie damit schon etwas zur Kultur beigetragen, Herr Doktor?“