„Nein, nichts mehr.“

„Heute sehen Sie ja alles schwarz, Eisenhut. Aber Sie freuen sich doch über viele Dinge — wenn Sie zum Beispiel ein schönes Pferd sehen oder eine dicke hohe Eiche im Walde —“

„Ja, ja.“

„Sehen Sie! Ich könnte wohl stundenlang — stundenlang Dinge nennen, die Sie lieben. Es ist ja lange nicht so schlimm wie Sie es heute sehen, mein Freund, lange nicht so schlimm. Haben Sie denn keine Sehnsucht mehr? Kein Verlangen nach Glück, Freude, Friede? Wie?“

„Ja, doch!“

„Aber wer dieses Verlangen noch hat, der wünscht ja noch zu leben und das Leben ist ihm noch kostbar. Die Menschen, mein Freund, die mit dem Leben fertig sind, wünschen sich nichts mehr. Und nun muß ich Ihnen doch Ratschläge geben, obschon es mir anmaßend erscheint. Ich meine, vielleicht könnte ich Ihnen sagen, wie Sie es zu beginnen hätten — für den Anfang wenigstens — was meines Erachtens gut für Sie wäre. Sie brauchen das ja nicht zu befolgen — es ist ja nur meine Ansicht, die Ansicht eines jungen und unerfahrenen Menschen —“

„Ich befolge alles, alles!“ sagte Eisenhut. Er öffnete die Tischschublade und nahm eine Handvoll Zigarren heraus, die er Grau reichte.

„Danke, danke!“ sagte Grau. „Als ob Sie wüßten, wie leidenschaftlich ich rauche. Nun hören Sie —“

Grau entwickelte ihm seinen Plan. Vorerst müsse er seine Nerven kurieren, seine Gesundheit kräftigen. „Sehen Sie mich an, Eisenhut,“ sagte Grau und fuhr erst fort als Eisenhut stehen blieb und ihn ansah. „Hören Sie wohl! Sie müssen ein neues Leben beginnen, und jeder Mensch muß das von Zeit zu Zeit. Von Grund auf neu! In jeder Beziehung! Jeden Tag um sechs Uhr heraus, von sechs Uhr morgens bis sechs Uhr abends harte körperliche Arbeit in den Steinbrüchen, wie ein Taglöhner — einen Monat lang. — Wie? — Ja, das müssen Sie! Einen Monat lang! Punktum, darüber wird nicht mehr gesprochen. Sie müssen sich den Schlaf erarbeiten. Danach, zwei Monate lang jeden Vormittag von sechs Uhr bis zwölf Uhr harte Taglöhnerarbeit in den Steinbrüchen, nachmittags frei. Ich will Ihnen Bücher geben, Bücher empfehlen. Ich will Ihnen gern etwas behilflich sein. Wenn Sie wollen, gebe ich Ihnen regelrechte Stunden, natürlich kann ich es nicht ganz umsonst tun. Ich verlange für die Stunde eine Mark. Das ist Ihnen nicht zuviel? Schön! Sobald Sie etwas sicherer sind, fort auf Reisen.“

„Wohin?“