„Da draußen kennt mich ja kein Mensch,“ antwortete Eisenhut.
Grau lächelte. „Lieber Freund,“ sagte er, „daran müssen Sie sich ja gewöhnen, nicht mehr gekannt zu sein. Sie müssen es lernen Ihr Leben zu leben, ohne daß Sie ein Schauspieler sind, der sich von andern bewundern läßt. Wenn Sie einen Ring am Finger tragen, so müssen Sie ihn nicht tragen für die andern, sondern weil es Sie freut Ihre Hand geschmückt zu sehen. Und wenn Sie glücklich sind und heiter und tanzen und singen, so müssen Sie nicht tanzen und singen, weil andere es sehen und hören und denken werden: Er tanzt, er singt, er ist guter Dinge. Sie müssen es tun für sich allein.“
Eisenhut schüttelte den Kopf. Er ging herum, er schüttelte den Kopf. Worte, Worte, was sollten ihm all diese Worte nützen, frage er? Diese Hölle von Leben —. Aber er war schon hoffnungsvoller gestimmt.
„Ja,“ sagte Grau, „es ist wahr, Sie haben die Hölle in sich und Sie sind sehr unglücklich. Ich weiß es und ich würde Ihnen gerne etwas abnehmen, könnte ich nur. Aber haben Sie nichts anderes als diese Hölle in sich, nichts anderes sonst?“
Grau griff sich an die Wangen. Er fühlte plötzlich, daß er Fieber hatte.
Eisenhut schlich an den Wänden entlang und schüttelte den Kopf. Hinter ihm ging das Hündchen; doch da Eisenhut sehr langsam dahin schlürfte, hatte es immer Zeit, sich nach jedem dritten Schritte seines Herrn zu setzen. Dann blickte es auf Grau und spitzte die Ohren. Eisenhut schüttelte den Kopf.
„Nein!“
Grau lachte leise. „Das ist ja nicht wahr!“ sagte er, „Sie haben ja selbst — ach, haben Sie nicht gesagt, Sie freuen sich, wenn die Sonne scheint, Sie freuen sich, wenn Sie jene Dame im Walde treffen? Sie haben schöne Träume, wie das Leben sein könnte, Sie haben gewiß nicht nur häßliche Träume.“
Eisenhut lachte. Er träume oft, er fliege, es gehe dahin über die Lande — haha!
„Sehen Sie! Und auch wenn Sie wachen, haben Sie schöne Träume. Es gibt doch noch so viel Schönes für Sie!“