Die Mädchen kamen in hellen Frühlingskleidern und glänzenden Augen und roten Wangen, und alle waren guter Laune. Sie zwitscherten und kicherten soviel wie ein ganzer Wald voller Vögel, wenn die Sonne aufgeht. Sie brachten alle Blumen mit, ganz als ob sie es ausgemacht hätten, und füllten das Zimmer damit an. Susanna saß in einem Garten. Auch Adele brachte Blumen, sie brachte einen großen Strauß von weißen Rosen. Die Schwestern Sinding hatten einen Kranz aus Veilchen geflochten, den sie Susanna auf den Kopf setzten und alle Mädchen klatschten in die Hände.

Außer Eisenhut waren noch ein Onkel und eine Tante gekommen, aus Weinberg. Die Tante war klein und rund, eine Schwester Mütterchens, sie sprach kreischend und hielt sich den dicken Leib beim Lachen. Sie hatte ein kleines und ein großes glotzendes Auge, das alle vergnügt anstarrte. Der Onkel kam im schwarzen Rock, mit einem hohen Zylinder. Er war Aushilfsbriefbote in Weinberg. Er war mürrisch und sah ärgerlich aus. Er sprach kein Wort und bewegte auch keine Miene, aber die Mädchen kümmerten sich nicht um ihn.

Das Zimmer war zu klein und Grau und Eisenhut zerlegten Mütterchens Bett und schafften es in die Küche. Aber als immer mehr Gäste kamen, mußte auch Susannas Bett hinausgeschafft werden. Die Gesellschaft nahm um den Tisch herum Platz auf Stühlen, Bänken, Hockern, Koffern. Endlich war alles in Ordnung und das Fest konnte beginnen.

Es begann. Es begann mit Kaffee und Kuchen, Lachen und Gesang. Hin und her gingen die Worte und das Lachen ging rings im Kreise. Was man sprach, das hätte niemand später sagen können, aber man unterhielt sich gut und ohne jede Pause.

Wie Susanna fühlte! Sie saß da mit strahlenden schwarzen Augen, inmitten all der Blumen, den Kranz auf den Haaren, inmitten all der jungen lachenden Mädchen. Sie blickte ringsum im Kreise, von einem Gesichte zum andern, lauschte, lächelte. Sie blickte Grau strahlend an und legte den Kopf an seine Schulter.

Er drückte ihr die Hand.

Als man die Weinflaschen entkorkte, stieß Mütterchen plötzlich einen Schrei aus: Ein bärtiger, wilder Kopf erschien am Fenster und eine tiefe Baßstimme sagte: „Guten Tag, allerseits!“ Es war der Lehrer.

Mütterchen rannte zur Türe hinaus und hing an seinem Halse.

Wie kam er doch hierher? „Ja, das ist ein Geheimnis, sozusagen! Ich habe eben ein Engagement von einem Theater gehabt — als König Lear zu gastieren — habe aber die Lumperei im Stiche gelassen, als ich von dem Feste hörte!“ Es war ihm glänzend gegangen auf seiner Wanderschaft, glänzend und fürstlich wie immer hatte er gelebt. Auf einem Herrensitz, bei einem Baron hatte er förmliche Festtage gehabt, eine Stadt, besser gesagt eine Art Marktflecken, wollte ihn zum Bürgermeister haben. Als ob das so einfach wäre —!

Ja, trotzdem er in zerrissenen Kleidern daher kam und eine bedenkliche Schramme an der Stirne hatte, war es ihm nie so gut gegangen, niemals hatten ihn seine Freunde so fürstlich aufgenommen. Hahaha!