Adele blickte zu den schwarzen phantastischen Wipfeln empor, die regungslos dastanden, wie aus Erz gegossen, und einen fahlen grauen Himmel sehen ließen, als beginne es zu tagen. Sie lächelte und sagte: „Aus unseren Orgelstunden ist leider nichts geworden. Sie erinnern sich, daß ich neulich bei Ihnen anfragte?“

Er stehe jederzeit zur Verfügung.

„Ich danke Ihnen aufrichtig,“ sagte Adele, „aber der Baron sieht es nicht gerne, mein Bräutigam. Ich weiß nicht warum, aber er hat solche Angst, die Leute könnten über mich sprechen. Und dann hat er es noch nie gehört, daß eine Dame Orgel spielte. Wüßte er, daß ich mit Ihnen hier gehe, so hätte er nichts dagegen, nein, aber er hätte Angst, jemand könnte es sehen. Er hält viel auf Etikette. Er denkt in jeder Beziehung frei und vornehm, aber er will nicht, daß die Leute über mich sprechen. Sie haben ihn doch kennen gelernt? Sind Sie in ein Gespräch mit ihm gekommen?“

„Wir haben nur ein paar nichtssagende Worte gewechselt.“

„Schade!“ sagte Adele. „Ich wünschte, Sie hätten mit ihm gesprochen, er ist sehr gebildet und klug. Freilich ist er ja meist zu müde zum Sprechen, er liebt es auch nicht, er ist schweigsam. Sie würden vielleicht den Eindruck bekommen, daß er etwas konventionell ist in seinen Anschauungen. Er könnte zum Beispiel nie einen Handwerksburschen beherbergen, niemals in seinem Leben — aber er ist —. Vor allem liebt er mich sehr, er liest mir jeden Wunsch von den Augen ab.“

„Sie werden ja nun bald heiraten?“

„Ja.“ Adele blickte auf den Weg. „Er, der Baron, drängt sehr. Auch fühlt sich Mama jetzt besser. Mir eilt es ja nicht so sehr — obgleich ich den Baron von ganzem Herzen liebe. Er besitzt eine Menge großer Eigenschaften, Sie würden das bald herausfinden — nun hört der Wald auf — lassen Sie uns nicht von diesen Dingen sprechen. Weshalb sehen Sie mich an?

Es ist ja langweilig für Sie, nur von meinen Angelegenheiten zu hören, Herr Grau. Deshalb. Wollen Sie mir nicht jenen Traum zu Ende erzählen, den Sie auf dem Ball begannen?“

„Gerne.“

Sie traten aus dem Walde und der Rücken der Höhe lag im Dämmerlichte vor ihnen. Im Tale zogen Nebel und die Stadt war in Dunst gehüllt. Einige Lichter flimmerten, und wo der Bahnhof lag, blinzelte eine Reihe von Laternen wie der Leichenzug eines armen Mannes. Der Himmel war fahl und einige matte Sterne schwebten darin. Sie gingen am Rande des Waldes entlang und kamen an eine Bank. Adele macht Miene sich niederzusetzen, aber sie ging weiter.