„Nein.“
„Es ist Mama, die spielt. Ich höre es jetzt auch nicht mehr. Da sitzt sie nun, meine kleine Mama und spielt und wartet auf mich. Denn sie tut ja nichts andres. Sie wartet und die Herren lachen und plaudern. Sie sagt zu Konrad: Konrad, wenn meine Tochter kommt, melden Sie es mir sofort. Sie wartet und wird immer nervöser. Ich aber komme nicht.“
„Sollten Sie nicht umkehren?“ fragte Grau.
Adele schüttelte den Kopf. „Nein,“ sagte sie, „ich habe keine Lust. Ja, fühlen Sie doch den Frieden hier, Sie haben recht, wir wollen den Frieden hier fühlen. Wie es riecht! Als ob Sie Rinde abschälten. Haben Sie viel Frieden in sich? Ich nicht, nein, ich würde lügen, würde ich es behaupten. — Das heißt, es ist ja nicht so schlimm,“ fuhr sie mit freierer Stimme fort, „es ist nur der Frühling, weil alles so schön ist und die jungen Mädchen heute lachten so viel.“
Der Kiesweg war zu Ende. Sie gingen in einem Walde hoher Fichten. Der Boden war glatt von Nadeln und Moos und es roch hier nach Harz und Wurzeln.
Grau lächelte, und als ob Adele sein Lächeln gefühlt habe, blickte sie zu ihm her. Er sagte: „Wir gehen wie im Werke einer großen Orgel, zwischen all den schlanken Pfeifen. Als der Geist der Orgel gehen wir hier.“
Er sah, daß Adele lächelte; ihre hellen Augen glänzten.
„Warum sprechen Sie so eigentümlich?“ fragte sie.
„Sprach ich denn eigentümlich?“
„Ja, Ihre Stimme klang ganz verändert.“