„Ja, aber — und weiter?“

„Ich wollte Sie nur dies fragen,“ sagte Grau und senkte den Blick.

Adele schüttelte den Kopf und lächelte. „Ich glaube wohl zu wissen, weshalb Sie fragen, Herr Grau. Sie haben ja vor einigen Tagen schon eine Andeutung gemacht, die ich nicht mißverstehen konnte! Sprechen Sie, bitte, nicht mehr davon. Sagen Sie doch selbst, kann ich denn das anhören?“

„Ich habe Sie verletzt, verzeihen Sie mir!“ sagte Grau.

Adele lächelte.

„Ich will gerne heute noch ein wenig mit Ihnen plaudern,“ sagte sie leise. „Sie sind mein Freund und darüber bin ich froh. Aber Sie müssen solche Dinge nicht sagen. Ich freue mich, daß ich Sie noch zufällig getroffen habe, aber — nein, nein, nein, all diese Dinge.“

Grau wollte sprechen, aber sie ließ es nicht zu. „Sie sind so merkwürdig,“ sagte sie und lachte leise, gleichsam heiter, „Sie kümmern sich um mich, Sie ängstigen sich um mich — so sonderbar sind Sie manchmal.“

„Es ist vielleicht mein Fehler, daß ich mich zuweilen zu sehr um die Angelegenheiten anderer bekümmere,“ entschuldigte sich Grau.

Sie gingen bergan. Auf der Höhe schimmerte der Widerschein einer erblassenden Abendwolke im Laub der Bäume. Unter ihnen lag die Dämmerung wie ein weiches Dunkel. Es raschelte zuweilen in den Zweigen, das waren Vögel, die zur Ruhe gingen. Es knackte da und dort, aber je tiefer sie in den Wald eindrangen, desto stiller wurde es. Die Stimmen des Tales waren erloschen und den Lärm der Frösche hörten sie nur noch einmal gedämpft, als sie einen kreuzenden Weg überschritten, der wie ein Kamin zur Stadt hinablief.

Dann begann Adele mit gleichmütiger Stimme zu sprechen. „Sie haben ja Urlaub genommen, Herr Grau,“ sagte sie, „ich habe es gelesen.“