Grau lächelte wieder. „Ja,“ sagte er, „weshalb denn nicht? Ich mache zu viele Schwierigkeiten. — Übrigens, um offen zu sein, ich werde selbst um Entlassung einkommen. Ich kehre nicht mehr hierher zurück,“ setzte er leise, wie beschämt, hinzu. „Es gibt so viele Dinge, die sich mit meinen Anschauungen, trotz des besten Willens —“
Was er aber dann beginnen wolle?
Grau lachte leicht. „Das?“ sagte er, „Oh, das macht mir nicht die geringsten Bedenken. Ich finde auch in einem andern Beruf ein großes Arbeitsfeld. Ich werde Medizin studieren, ich trug mich schon früher mit dem Gedanken.“
„Also Arzt wollen Sie werden?“ rief Adele freudig aus. „Ich liebe die Ärzte. Was für ein Arzt?“
„Nun, ein guter Arzt, denke ich, für die, die krank sind,“ erwiderte Grau lächelnd.
Sie kamen an eine Lichtung und sahen tief unten die Stadt mit ihren blinzelnden Lichtern liegen. Man sah Adeles Park. Hier duftete es stark nach Honig. Ein Insekt schwirrte über den Kräutern.
„Wie hoch wir doch sind!“
„Ja!“
Sie stiegen höher und plötzlich sahen sie den Mond in einem Himmel so dunkelblau wie ein Kirchenfenster stehen. Er erschien wie ein bleiches Gesicht, das voll namenloser Sehnsucht immerzu in die ferne Sonne starrte. Sie kamen ganz auf die Höhe und Adele war überrascht, eine Ebene vor sich zu sehen. Sie hatte gedacht, es gehe hier wieder bergab. Im Mondschein lag ein kleines kalkweißes Dorf. Die Ebene sah auffallend hell aus im Licht des Mondes, die Grillen zirpten in den Feldern und ihr schrilles feilendes Gezirpe schien alles ringsum in Silber zu verwandeln. Einen Augenblick lang blickte Adele auf das kalkweiße, gespensterhaft aussehende Dorf, dann wandte sie sich wieder dem Walde zu. Hier war es warm und schwül. Der Mond lag in Streifen und silbernen Tümpeln im Walde und auf dem Wege und warf fortwährend ein glitzerndes Netz über Adele, gleichsam um sie darin zu fangen; sie aber schlüpfte jedesmal aus dem Netze heraus. Sie sah zu Boden.
Wie schön war es doch an ihrer Seite zu gehen!