Es hauchte hoch oben in den Wipfeln. Wie ein Bach im flachen Lande, mit vielen Inseln und Kanälen und Adern, so floß über ihren Häuptern der tiefblaue Nachthimmel dahin, kleine und große Sterne trieben darauf und glitzerten.

Nach langem Schweigen sagte Grau: „Wir Menschen fürchten uns ja nicht so sehr vor dem Unglück, aber es graut uns davor elend zu werden!“

Adele zuckte zusammen.

„Davor graut Ihnen ja so sehr!“ fuhr Grau eindringlicher fort, indem er Adeles Arm leise berührte. Ihr erschrockener Blick streifte ihn. „Tag und Nacht graut Ihnen davor. Nicht davor würde Ihnen grauen, etwas Schlechtes zu begehen, denn es wäre vielleicht Trotz und Wille und Tat darin, aber es graut Ihnen davor unterzusinken in Unwürdigkeit. Ich habe auch wieder von jener Frau geträumt, die Ihnen ähnlich sieht — der Traum erschreckte mich, warnte mich —“

Adele machte eine abwehrende, fliehende Bewegung. Aber Grau berührte wiederum ihren Arm.

„Begehen Sie kein Verbrechen an Ihrer Seele, Adele!“ flüsterte er.

„Lassen Sie mich, lassen Sie mich doch!“ sagte Adele bleich. „Weshalb quälen Sie mich denn?“

Sie legte die Hände an die Ohren, als Grau wieder zu sprechen begann, und sah ihn mit zu schmalen Spalten zusammengezogenen Augen an.

Grau blickte sie an. Er war bleich vor Erregung.

„Verzeihen Sie!“ stammelte er. „Oh, was habe ich doch getan. Es ist ja so unrecht von mir.“