Nun war es ihm plötzlich leichter. Diese furchtbare Stimme war nicht mehr zu hören, und er ging in der Heide, wo es sich gut ausschreiten ließ. Er war fröhlich. Über die Heide kamen zwei Gestalten, sie kamen näher und er erkannte Susanna.
Er lief ihr entgegen und stürzte in die Knie: „Verzeihe, verzeihe, Susanna!“ rief er. „Verzeihe das Zuviel — ich habe dich ja geliebt — aber verzeihe das Zuviel!“
Susanna hob ihn auf. „Es ist alles gut,“ sagte sie leise und lächelte.
Da fiel sein Blick auf die andere Gestalt. Auch sie war eine Frau. Er erstaunte und richtete sich auf. Mit dieser Frau war er einst über die Heide im Sternschnuppenregen gegangen, nun war sie da.
„Bist du wieder du?“ sagte sie und sah ihn an.
Bei ihrem Blicke aber erhellte sich sein Inneres, es war ihm, als ob er sein ganzes Leben verstände. „Ach so!“ rief er aus und eilte ihr entgegen und weinte vor Glück.
In dieser Nacht starb Grau. Er starb als der Tag nahte und Eisenhut, der während der Wache eingeschlafen war, wurde durch das klagende Geheul eines Hundes geweckt. Er blickte auf Grau, und Grau sah so schön und friedevoll aus, daß Eisenhut sofort zu schluchzen begann. Er sah, daß er tot war.
Er fürchtete sich und ging hinaus, um den Hund zu vertreiben. Er warf Steine nach ihm, aber dieser gelbe, zottige Hund kümmerte sich nicht um Steine, er lief ihnen entgegen und heulte und winselte und gebärdete sich ganz unsinnig.
Als Mütterchen erfuhr, daß Grau gestorben war, sagte sie erschrocken: „Aber die Schuhe, wo hat er denn Susannas Schuhe?“
„Schwätzen Sie keinen solchen Unsinn!“ sagte Eisenhut ärgerlich. „Er wird die Schuhe wohl in seinem Koffer haben!“