„Nein!“ antwortete die Fistelstimme und Grau glaubte ein feines Kichern zu hören.

„Wann kommt er denn zurück?“

„Er ist verreist!“ Das Guckfensterchen schloß sich wieder.

Grau verließ die Türe mit einer eigentümlichen Empfindung. Wie merkwürdig! dachte er und die Fistelstimme klang ihm noch lange im Ohr, während er die Jungferntreppe hinaufstieg, eine Art von schmalem Kamin, der zwischen kahlen Hauswänden und Gartenmauern zur Höhe führte. Er wollte im Schlosse vorsprechen, jenem weißen Herrschaftshause, das er heute von seinem Fenster aus gesehen hatte.

Er ging durch den weiten Park, dessen Bäume so hoch waren, daß er sich winzig klein dagegen vorkam, und sann darüber nach, wo er das kleine Guckfensterchen schon gesehen habe. Jenes Geräusch, das es beim Herabfallen verursacht hatte, verfolgte ihn hartnäckig. „Es ist doch höchst einerlei,“ sagte er vor sich hin, „wo ich solch ein Guckfenster schon gesehen habe, was liegt viel daran? Aber trotzdem, trotzdem! Ich habe dieses Guckfenster schon gesehen oder vielmehr gehört, das ist es.“ Er schüttelte den Kopf und stand vor dem weißen Hause. Nun erst sah er, daß ein Flügel des Herrschaftshauses eingeäschert war bis auf den Grund. Die Brandstätte war abgeräumt, Gerüststangen waren eingerammt, aber man sah keine Handwerksleute.

Er stieg die Treppe hinauf, öffnete die schwere Türe und stand plötzlich vor einem pechschwarzen Neger, der eine Laterne auf dem Kopfe trug.

„Ach,“ ging es ihm durch den Kopf, „jetzt erinnere ich mich! Ich habe dieses Guckfensterchen schon gesehen in einem Hause, in dessen Flur eine alte Holzfigur stand, ein Heiliger. Die Arme des Heiligen waren abgeschlagen. Aber wo, wo denn?“

Der pechschwarze Neger war aus Bronze und von der Laterne hingen schwere Messingketten herab. Grau wollte eben an einer Türe pochen, als ein Diener hinter ihm fragte, was der Herr wünsche. Die Jacke des Dieners war gestreift und erinnerte an das Fell eines Zebras. Der Diener öffnete die Türe eines kleinen Salons und bat Grau zu warten.

Der Salon wurde von einem Sonnenstrahl erhellt, der sich durch die Gardinen zwängte. Die Möbel waren hell und niedrig und standen auf zierlichen weißen Beinen.

Grau wartete und wagte nicht zu atmen, so still war es hier und so vornehm. Er hätte sich gerne geräuspert, aber das ging wohl nicht gut hier. Da hörte er einen gedämpften Schritt und eine junge Dame erschien in der Türe.