Sie nickte und fragte: „Womit kann ich Ihnen gefällig sein?“ Sie sprach höflich aber kühl.
Grau erwiderte nichts. Er sah die junge Dame an. Sie hatte auffallend reiches Haar von tiefschwarzer Farbe und war von fremder, stolzer Schönheit. Sie stand im Schatten und ihr Gesicht sah lang und bleich aus. Ihre Augen waren klar und ernst. Aber das Merkwürdige daran war, daß sie heller aussahen als selbst die blassen, langen Wangen. Das kam von den schwarzen wie Atlas glänzenden Haaren, die fast die ganze Stirn bedeckten und von den langen glänzenden Wimpern, die die Augen einsäumten. Etwas von dem Glanze, der Kerzenlicht bei Tag eigen ist, war in diesen Augen.
„Womit kann ich Ihnen gefällig sein, mein Herr?“ wiederholte das Mädchen.
Grau brachte hastig seine Bitte vor, und die junge Dame erwiderte, daß sie mit ihren Eltern sprechen werde und ihm Bescheid zugesandt werden würde.
Grau verbeugte sich und sah noch einmal in dieses schöne, regungslose Gesicht und ging. Er vergaß ganz mit seiner Liste herauszurücken und zu fragen, wo die Herrschaften Eier und Schmalz bezögen.
Er ging rasch durch den Park hindurch und war so erregt, daß er nichts sah und nichts hörte, bis er wieder auf dem Marktplatze stand.
„In welche Stadt bin ich doch da geraten!“ flüsterte er. „Zuerst diese Sache mit dem Guckfensterchen und nun dieses Mädchen. Ich habe ja dieses Mädchen schon einmal gesehen, irgendwo und irgendwann, ich erinnere mich deutlich an dieses Gesicht und diese sonderbaren Augen.“
Er eilte weiter und erst nachdem er bis zum Flusse hinabgelaufen war, fiel ihm ein, daß er noch einen Besuch hatte machen wollen.
Achtes Kapitel
Grau sprach bei Frau Bezirksamtmann Häberlein vor, wo das Dienstmädchen zuletzt gedient hatte. Hier hielt er sich längere Zeit auf.