Grau wechselte das Thema. Er sprach über alles mögliche, über die Zucht von Mehlwürmern und die Lebensweise der Rotkehlchen, über die Verkehrsverhältnisse in früherer Zeit und was für eine Sache das doch gewesen sei, mit Zunder und Stein Feuer zu machen. Die Alten lachten und glucksten und machten es ihm vor. Sie konnten es, ja, das war eine Freude, es zu sehen! In der ganzen Stadt gibt es vielleicht keinen mehr, der es kann! Alterchen ging, um Kaffee aufzutischen, das andre Alterchen nahm die grüne Schürze wieder ab, nachdem es genug Schleißen zum Anschüren geschnitten, und brachte aus einem Schranke ein Gläschen mit Öl, ein paar alte Schlüssel und krumme Nägel und ölte all das mit einer Taubenfeder behutsam ein.

Grau erkundigte sich, ob sie Söhne oder Töchter hätten. Ja, das hatten sie, einen Sohn, zwei Töchter. Nun wollte Grau gerne wissen, wo sie lebten, wie sie lebten, ob sie gesund und glücklich seien, welchen Beruf der Sohn und die Schwiegersöhne hätten, jede Kleinigkeit. Aber ehe sich’s die beiden Alten versahen, sprang Grau auf die Enkel über, ja, diese Enkelchen, nicht wahr? Sechs, oh du meine Güte! Die Greisin ging und brachte Photographien herbei und der Greis putzte sich die Hände an einer Zeitung, einem Ballen Putzwolle und einem wollenen Lappen und entnahm dem Schubfache ein Vergrößerungsglas, denn er mußte nun die Enkel ebenfalls genau sehen.

Grau fragte, wie alt die Enkel seien, wann sie geboren seien, ob sie krank waren, er mußte alles genau wissen. Er sah die Bilder an, lobte den trotzigen Zug eines Knaben, über den kleinen Zopf der Enkelin Babettchen wurde er ganz außer sich vor Freude. Er besang diese Enkel. Ja, so klug, so gesund, so blühend —

Die beiden Alten kicherten und glucksten.

Plötzlich sagte Grau: „Also, wie steht es jetzt mit der Amme? So ein armes, verwaistes Kindchen, nicht wahr?“

Die Alterchen erschraken — denn jetzt konnten sie ja nicht mehr, sie konnten nicht — sie sagten: „Ja.“

Grau schüttelte ihnen die Hände. Der Alte nahm die Kappe mit der Quaste ab und ließ es sich nicht nehmen, Grau an die Türe zu begleiten; sein kahler Schädel glänzte wie ein Feuerwehrhelm.

„Da fällt mir noch etwas ein,“ sagte Grau, „könnten Sie nicht im Frühling Ihr Rotkehlchen fliegen lassen, zum Beispiel?“

„Wie?“

Neuntes Kapitel