Das waren zwei alte Leutchen, ein alter Rentier und seine Gattin, und sie wollten die Erlaubnis nicht hergeben. Sie waren ohnedies ärgerlich, daß das Mädchen, eine Verwandte von ihnen, in ihrem Hause geboren hatte, und wollten nicht, daß es noch weiter bekannt wurde als es schon war. Sie blickten einander an, der Alte, der eine Kappe mit einer Quaste auf dem kahlen Schädel trug, und seine Frau, eine verschrumpfte Greisin mit schneeweißem störrischen Haar und pfiffigem Lächeln, und sagten nein, ein für allemal nein. Da saß denn Grau zwei geschlagene Stunden auf einem harten Sofa und führte die Unterhandlung mit den beiden Alten, die noch dazu schwerhörig waren. Der Greis beschäftigte sich damit, aus einem Topfe Mehlwürmer hervor zu suchen für ein Rotkehlchen, das lustig in seinem Bauer trillerte. Dann zerdrückte er Hanfkörner mit einem Bügeleisen. Die Greisin tat nichts, sie saß da und blickte pfiffig lächelnd auf Grau.
Grau gab sich alle erdenkliche Mühe, aber die Alten rührten sich nicht. Endlich sagte der Alte mit der Quaste: „Wir sind ja katholisch, mein Herr, das Dienstmädchen aber ist ja protestantisch gewesen.“
Grau lachte. „Aber, du gütiger Himmel.“
Nun wollte der Greis den wahren Grund sagen. Er sagte: „Das wäre es ja nicht, Herr, aber es wird so bekannt — so bekannt überall — und wir wollten in aller Stille Gras über das Kind unserer Verwandten wachsen lassen.“
„Gut! Aber man muß sich doch des verlassenen Kindes annehmen, nicht wahr?“
Oh, da gebe es ja die schwere Menge, sagte die Greisin und lächelte pfiffig.
„Ganz einerlei! Man muß sich jedes einzelnen Kindes annehmen. Da ist nun der Herr beschäftigt, Hanf zu knacken und er hat extra Mehlwürmer gezüchtet und richtet jeden einzelnen her für sein Rotkehlchen wie einen Braten, man kann recht gut beobachten, mit welcher Sorgfalt er es tut — und nun ein Kind! Ein Menschenkind! Vielleicht wird etwas Besonderes aus ihm — das ist wie eine Lotterie, vielleicht ist es ein Treffer.“
Man gewinne nie etwas. Der Alte mit der Quaste gluckste. Er band sich eine grüne Schürze um und begann Schleißen zu schnitzen.
„Oh, erlauben Sie recht sehr, ich habe bei einem Tischler gewohnt, der gewann das große Los — er hat jetzt ein Karussell und ein Wachsfigurenkabinett, zieht umher und bläst die C-Trompete“ — nein, vielleicht sei es nur ein kleiner Treffer, oder gar kein Treffer, man müsse sich des Kindes unbedingt annehmen.
Die Alten sahen einander an, lächelten, glucksten und sagten: „Nein!“