„Das stimmt mit der Aussage der Mutter des Mädchens überein,“ sagte Grau. „Danke.“
Die Sammlung hatte eine hübsche Summe eingebracht, Grau war zufrieden und lachte in sich hinein. Ordentlich habe ich abgegrast, dachte er. Er ging geradeswegs ins Waisenhaus.
Die Schwestern empfingen ihn mit wenigen feierlichen und gütigen Worten in den stillen Räumen, in denen sie sich ohne Laut bewegten. Er gab das gesammelte Geld ab, die eine Hälfte bestimmte er für die alte Frau, die andere Hälfte bat er für die Verpflegung des Kindes zu verwenden.
„Kann ich das Kind sehen?“ fragte er.
„Oh, recht gern können Sie das,“ lispelten die Schwestern und er sah das Kind. Er betrachtete es lange und aufmerksam. „Es kann ein schönes Kind werden,“ sagte er, „was für kluge, hellgraue Augen es doch hat! Ist es nicht auffallend zierlich gebaut? Aber es sieht kränklich aus, oder täusche ich mich?“
Ja, der Arzt sei ebenfalls nicht zufrieden, es liege an der Amme. Eine Schlossersfrau habe sich erboten, das Kind zu nähren, aber sie sei brustleidend.
„Nein, das geht freilich nicht. Ich werde nachfragen. Sie haben niemand im Hause, der das Kind stillen könnte?“ fragte Grau.
Die Schwestern lächelten und erröteten unter der weißen Haube. „O nein,“ flüsterten sie.
Grau sah sie erstaunt an. Dann errötete auch er und machte sich eiligst davon. „Du bist doch der größte Dummkopf der ganzen Welt,“ sagte er zu sich und lachte in sich hinein.
Am andern Morgen besuchte er zum Erstaunen der Leute alle drei Hebammen, die es am Platze gab, um nach einer geeigneten Amme zu fragen. Er war den halben Tag unterwegs, bis es ihm gelang, eine Magd dazu zu überreden, sich des verwaisten Kindes anzunehmen. Die Magd war derb und stark, sicherlich gesund und nach Graus Meinung imstande zwei, drei Kinder spielend zu stillen. Die Magd erklärte sich nach langem Sträuben bereit, aber nun stieß er unerwartet auf Schwierigkeiten bei der Dienstherrschaft.